Geschichte: Straßenmusik/Barcelona

Ein bisschen Stadtgeschichte:

Der Stadtteil Barcelonetta. Mitschrift eines Vortrags an der UB

20.10.2014

Ich habe mich heute mit meinem Tutor Manuel Delgado Ruiz getroffen um mit ihm über mein weiteres Vorgehen zu sprechen. Ich gab ihm einen Überblick über das, was ich bisher gemacht hatte, welche Texte ich geschrieben und gelesen und welche Interviews ich geführt hatte bevor ich ihm von den Schwierigkeiten der Forschung berichtete. Die Schwierigkeit befindet sich in der Bandbreite der Themen, die ich anschnitt je weiter ich mich in das Dickicht der Straßenmusik begab. Interessante Themen die ich gerne unterbringen würde mir aber vorher eine professionelle Meinung einholen wollte. Die Hauptthemen, die das Thema Straßenmusik für mich bisher begleiteten sind: Der Massentourismus in Barcelona, die Wirkung von Atmosphären und das Thema Privatisierung. Drei interessante Themen.

Manuel Delgado riet mir ein Projekt zu schreiben. Zunächst verstand ich nicht was er damit meine doch dann zeigte er mir die Arbeiten von seinen Doktoranden als Beispiele. Er erklärte mir: Für eine empirische Forschung zu einem Thema bräuche ich mehr zeit, ein Jahr mindestens um ein repräsentatives Ergebnis präsentieren zu können. Was seine Doktoranden am Anfang ihrer Dreijährigen Arbeit machten war eine Art Projektplan , bestehend aus: Einleitung, Probleme der Forschung, Forschungsverlauf, State of the Art, Forschungsgegenstand, Methoden, Hypothese, Ausblick und Arbeit mit Literatur.

Ich guckte mir einige Arbeiten an.

Der zweite Teil des Tages war geprägt durch den Vortrag einer Doktorandin von Manuel Delgado zu dem Thema: Barceloneta. Barceloneta ist ein Stadtteil Barcelonas, der sich direkt am Strand befindet, auf einer Art Halbinsel. Er ist interessant, weil er aus stadtplanerischer Sicht stark von Gentrifikationsprozesse geprägt ist und gleichzeitig die Auswirkungen der Olympiade 1992 auf Barcelona treffend wiederspiegelt.

Ich möchte hier eine kleine Zusammenfassung des Vortrags geben, der natürlich auf Spanisch war aber gut verständlich.

Die Halbinsel, die wie vorgelagert vor dem eigentlichen Stadtkern Barcelonas liegt, war einst das Fischerdorf Barcelonas. Aufgrund der Nähe zum Mittelmeer, hatten die Fischer hier ihre Boote liegen und ihre kleinen Häuser, die meist eine Grundfläche von ca. 60 Quadratmetern Wohnfläche boten. Diese Häuser waren meist einstöckig, was sich zwischen den Jahren 1753 bis 1932 langsam aber stetig änderte. Die Häuser wurden aufgestockt und da wo damals einstöckige Fischerhäuschen standen, stehen heute sechsstöckige Häuser. Was gleich geblieben ist, ist die Grundfläche. Das Problem dieser hohen Häuser war eine fehlende Barrierefreiheit, die es für alte Menschen ausschloss in einem der höheren Stockwerke zu wohnen. Das führte dazu, dass oft Stockwerke gewechselt wurden.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Stadtteils Barceloneta und mit ihm von der gesamten Stadt, war die Olympiade im Jahre 1992.

Vor 1992 war die Stadt und vor allem die Zone am Strand, wo heute die erste Häuserreihe steht und sich viele Hotels befinden, geprägt durch Ghettos. Von diesen Ghettos gab es viele in Barcelona bis die Stadt für die Olympiade gesäubert wurde. Auch der Stadtstrand, der Barceloneta heute zu einem touristischen Stadtteil  macht, ist ein artifizieller Strand, der für die Olympiade aufgeschüttet wurde.

Durch steigende Mieten und Touristenunterkünfte wurden die Fischer verjagt und es folgen viele Proteste.

Betritt man den Stadtteil Barceloneta heute, sieht man noch immer alte kleine Häuser, die in fein geordneten Reihen zum Strand stehen. Auch alte Bars und Kneipen findet man noch. Der etwas heruntergekommene Charm haftet diesem Stadtteil definitiv noch an . Doch sieht man zwischendurch kleine moderne Restaurants mit Namen wie: Urban food und die erste Häuserreihe am Strand sind überwiegend noble Restaurants und Hotels. Ich habe mich einmal nach den Mieten für die Wohnungen in Barceloneta erkundigt, mich als potentielle Käuferin ausgegeben und mir einige Wohnungen angeguckt. Die Mieten für das Zimmer betrug 450 € pro Monat. Das Zimmer hatte ein winziges Fenster, war sehr ungleichmäßig geschnitten, hatte eine dicke Klimaanlage vor dem Fenster, die summte. Der Rest der Wohnung war relativ dunkel, einfach geschnitten und die Decke war niedrig. Eine Wohnung mit ca. 60 Quadratmetern Grundfläche, drei Zimmern, einer Küche und zwei kleinen Badezimmern. Diese Wohnung sollte an drei Studenten vermietet werden, die alle 450 € monatlichen zahlen sollten. Das heißt 1350 € Miete pro Monat. Ich wohne jetzt ca. einen Kilometer weiter weg von dem Sandstrand und zahle 80€ weniger für eine Wohnung mit einem Grundriss von 70 Quadratmeter.

Soviel zu Barceloneta

 

06.11.2014

Ich möchte heute wieder einen Abstecher in die Geschichte Barcelonas wagen nachdem ich heute bei einer Buchvorstellung des Buches ,,Martar al Chino” war. Dieses Buch beinhaltet die Doktorarbeit eines Mannes Namens Miquel Fernandez, dessen Doktorvater mein Tutor Manuel Delgado ist. Es beschäftigt sich insbesondere mit der Straße calle d’en Robador  mit dem Stadtteil Raval und seiner Entwicklung. Raval ist ein Viertel welches in diesem Block bereits erwähnt wurde im Zusammenhang mit den Gentrifikationsprozessen die das Museum für moderne Kunst ( MACBA ) unter anderem mit sich brachte.

Der Titel des Buches macht den Anschein es würde sich um einen Chinesen handeln oder vielleicht um ein Chinesenviertel und tatsächlich wird das Viertel auch Barrio Chino gennant. Diese Bezeichnung entstand allerdings nicht aufgrund einer chinesisch Bevölkerung sondern stammt von einem Journalisten der das Viertel aufgrund seiner kleinen düsteren Gassen, Spielunken, der Prostitution und den kleinen Restaurants mit amerikanischen Chinatowns verglich. Daher wird  El Raval seit dem 20. Jahrhundert auch Barrio Chino oner Xino (Catalan) genannt. Was so besonders an diesem Viertel ist, ist die Tatsache das ein Problemviertel in Barcelona darstellt. Ein Viertel das den Polizisten durch Prostitution, Gewalt, Diebstahl und Drogen besondere Kontrolle abverlangte, die schwer zu verwirklichen war. Während der Buchvorstellung kamen mehrere Anwohner oder ehemalige Anwohner zur Sprache die auch von Gewalt der Polizisten gegenüber imigranten sprachen. Raval war geprägt durch enge Gassen, dunkle Hinterhöfe, viele Wohnungen hatten bis in die 90er Jahre kein fließendes Wasser und für Touristen war diese Gegend keine gute Adresse. Wie schon Barceloneta ( siehe Text oben) brachte die Olympiade 1992 den Wandel. Luft und Licht!  das Viertel wurde gesäubert indem Häuser abgerissen wurden, neue Komplexe gebaut und alte Wohnungen durch Subvention renoviert wurden. Wie das Buch Martar al Chino berichtet, wurden durch uraben Interventionen aus dem dunklen Arme-Leute Viertel der Hippe Stadtteil der es heute ist. Skater belagern der Vorplatz des MACBA, Plattenläden, hippe Restaurants und viele Studenten haben das Viertel aufgewertet und viele der Einwohner verdrängt. Eine typische Gentrifizierungsgeschichte bis auf die Tatsache, dass dem Barrio bis heute ein mystisches Flair anheftet und auch ein Teil noch das Arme-Leute viertel von damals repräsentiert.

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