Forschung

Dieses Thema beinhaltet Texte zu: Wahrnehmungsspaziergängen, Kartierungen, Methodologie, Schwierigkeiten und Verlauf der Forschung.

 

Wie Musik der Stadt ein Gesicht gibt.

Barcelona ist die Hauptstadt der Region Katalonien mit einer Einwohnerzahl von 1.6 Millionen. Doch dominiert wird die Stadt von Touristen. Im Jahr 2012 waren es 7.4 Millionen Besucher. Diese Entwicklung führt zu vielen Protesten der Einheimischen wobei ein wichtiger Punkt die steigenden Mietpreise im Stadtkern sind, die den Einheimischen das Wohnen im Stadtkern fast verunmöglichen

Was hat diese Entwicklung mit performativer Kunst in Barcelonas Straßen zutun? Diese Frage soll durch die folgenden Beobachtungen erläutert werden.

Es war ein Montagmorgen und ich machte mich auf den Weg um meine Forschung zu Barcelonas Straßenmusikern weiter zu verfolgen. Bisher hatte ich die Stadt nach potentiellen Plätzen für Straßenmusiker abgesucht und bemerkt, dass die Altstadt  (Ciutat Vella) nicht nur von vielen Touristen sondern auch von vielen Musikern aufgesucht wurde.

Der Placa Sant IU ist einer der Spots, der bisher immer mit einem oder mehreren Musikern bestückt war. Die Voraussetzungen sind sehr gut an diesem Ort. Der Platz befindet sich zwischen einem Museum und dem Nebeneingang einer Kathedrale. Die gotischen Gebäude bilden eine Art Innenhof, wodurch eine wunderbare Akustik entsteht. Die gute Akustik und eine Steinbank, welche Platz zum Sitzen bietet, machen aus dem kleinen Platz einen perfekten Ort zum musizieren. Die Musiker saßen bisher immer an der Kopfseite des Platzes, sodass eine Art Konzertsituation entsteht. An diesem Tag saß ein ca. 45 jähriger Mann an dieser Stelle und spielte Panflöte. Obwohl es offensichtlich war, dass die Musik für die vorübeigehenden Passanten bestimmt war und die ganze Situation einem kleinen Konzert glich, war es befremdlichen den Musiker zu fotografieren. Anders als in einem Konzert war ich nicht an diesem Ort um speziell diesen Musiker zu sehen, sondern stieß zufällig auf ihn. Ich wusste weder seinen Namen noch aus welchem Land er kam. Aufgrund dieser Distanz entstand eine Anonymität die meines Erachtens dazu führte, dass mir das Fotografieren unangenehm wurde. Seine Musik beeinflusste außerdem meine Wahrnehmung des Ortes. Er gab durch den Klang seines Instrumentes und die Musikrichtung die er wählte, eine Stimmung vor, die meine Wahrnehmung des Ortes beeinflusste. Es war die Nussknacker Suite von Tschaikowsky.

Ich machte ein paar Fotos und ging weiter.

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Der nächste Touristenhotspot war die Kathedrale mit dem Namen La Catedral. Auch hier waren, wie zu erwarten, Straßenkünstler zugegen. Zunächst widmete ich mich den beiden Gitarristen, die auf einem Steinvorsprung saßen. Um noch einen Schritt zurück zu gehen in meinen Beobachtungen, die Maßen von Touristen die diesen Platz vor der Kathedrale einnahmen war beeindruckend und erschrecken. Hier tummelten sich fotografierende Menschen, posierend Menschen, Gesichter die hinter IPads verschwanden und Leute, die ihr Handy mit dem ausgestrecktem Arm vor sich hielten um von sich selber ein Foto zu machen. Die wenigsten verweilten an diesem Ort um die Atmosphäre aufzunehmen. Es war ein schnelles Abklappern von Sehenswürdigkeiten: Schlange stehen, Fotos machen, rein gehen, raus gehen, nächste Attraktion. Eine betäubende Statistik sagt aus, dass im Jahr 2012 ca. 7,4 Mio. Touristen Barcelona besuchten. Das sind mehr Menschen als Barcelona Einwohner hat  (1,6 Mio.). Dort wo Touristen sind, sind auch Musiker, das hatte ich schnell beobachtet. Mit den Touristen kommt das Geld nach Barcelona und die Verbindung zwischen Touristen und Musikern ist das Geld. Aber zurück zu den Straßenkünstlern. Die Gitarristen waren umringt von Menschen und viele kauften ihre CD. Das mag daran gelegen haben, dass sie typisch spanische Musik spielten: Rumba Flamenco. Auch hier gab die Musik dem Ort eine besondere Ausstrahlung und eine Art aufgesetzte Authetizität. Diese Authentizität nenne ich aufgesetzt, da sie sich nach den Verlangen der Touristen nach einem authentischen Urlaub richtet und nicht primär katalanischer Kultur dient, zumal der Flamenco aus Anadlusien und nicht aus Katalonien kommt.

Während die Gitarristen den Vorplatz der Kathedrale in eine melancholische, sehr romantischen Stimmung tauchten, fingen ein paar Meter weiter zwei in schwarze Fracks und Jeansshorts gekleidete Männer auf Holländisch an, eine Menschenmenge um sich herum zu unterhalten. Diese Szenerie machte den Eindruck einer privaten Veranstaltung und verwandelte die Musik der Gitarristen zu einer unpassenden Hintergrundmusik. Es schien eine Art Rallye zu sein, die von den Männern im Frack aufgelöst wurde. Für mich als Zuhörerin entstand nun die Frage: dürfen die das, ist das nicht sehr ignorant? Als ich mich mit diesen Fragen ertappte entstand gleichzeitig die Frage: wie öffentlich ist dieser Raum noch wenn er so dominiert wird von einer Seite, dass eine unangenehme Situation entsteht, sobald eine nicht organisierte Partei spontan eine private Veranstaltung abhält (Männer im Frack). Ist diese Straßenmusik überhaupt organisiert? Das wäre meine nächste Frage. Und was ist mit den Touristen? Hat die Musik einen revitalisierenden Einfluss auf den Ort, sodass trotz vieler Touristen und weniger Einheimischer, der Eindruck einer authentisch spanischen Atmosphäre entsteht?

(Das Interview mit Oscar, siehe: Interview 1, klärt Fragen zu der Organisation der Straßenmusik)

Diese Frage bringt mich zu dem Verlangen, den Ort einmal ohne Touristen zu sehen. Vielleicht nachts oder ganz früh morgens. Außerdem würde mich interessieren wie die Einheimischen zu den Touristen stehe denn auf meinem Forschungsrundgang stieß ich auf diese, nicht sehr positiv gestimmten, Plakate ( Foto unten).

Wie stehen also Touristen und Straßenmusik im Zusammenhang? Die Straßenmusik existiert eigentlich nur für und dank der Touristen….So mein bisheriger Eindruck.

Forschungstag Ciutat Vella

Banner gegen Massentourismus in der Nähe der Kathedrale

Banner gegen Massentourismus in der Nähe der Kathedrale

Gitarristen

Gitarristen

Musiker an der Kopfseite des Placa Sant IU

Musiker an der Kopfseite des Placa Sant IU

La Catedral

La Catedral

 

 

25.09.2014

Heute spielte ein Gitarrist auf dem Platz vor der Kathedrale. Ich kenne ihn bereits von dem Mercado Santa Catharina.

Er spielt Gitarre und singt dazu. Das Mikrofon in das er sang, dämpfte seine Stimme, sodass man die Worte kaum versteht, die Lieder aber trotzdem erkennen konnte. Besame mucho, Guantanamera…diese Lieder sind unverkennbar. Um 11:00 Uhr kam das Gitarren-Duo, das sehr häufig an diesem Platz anzutreffen ist und bereits in dem ersten Text erwähnt wurde. Sie kommen immer sehr gut bei den Touristen an. Der einzelne Spieler möchte zunächst nicht gehen und versucht seine Zeitspanne hinauszuzögern. Das Duo lässt ihn gewähren doch dann hält einer der beiden Männer ihm einen Zettel unter die Nase, der wohl den Zeitplan des Spots anzeigt. Widerwillig packt der Gitarrist seine Sachen zusammen. Während sich das Duo einrichtet, bleiben bereits Menschen stehen und gucken interessiert. Es ist erstaunlich, dass diese beiden Musiker bereits jetzt eine anziehende und Interesse erweckenden Wirkung auf ihr Umfeld haben, obwohl sie noch keinen Ton von sich gegeben haben. Von früheren Beobachtungen weiß ich, dass dieses Duo immer umringt ist von Menschen. Das die Menschen sich schon vor ihrem Spiel ansammeln, wusste ich nicht. Dieses Gitarrenduo dominiert den Platz vor der Kathedrale.

 

28.10.2014

 

Die Anmerkung von Emanuel (Interview 3, Emanuel) bezüglich einer angeblich existierenden Musiker-Mafia in Gracia, hatte mich aufmerksam gemacht. Eine Suborganisation im Straßenmusikbuisness wäre sehr interessant. Bisher hatte ich nur drei Systeme ausfindig gemacht. Erstens die Musiker die mit Lizenz auf der Straße spielten und von dem Bürgerzentrum in Cuidad Vella dirigiert und eingesetzt wurden. Dann die „illegalen“ Musiker die keine Lizenz hatten und kreativ sein mussten, um den Tag auf der Straße zu überstehen ohne ihr Instrument gegen eine dicke Rechnung zu tauschen. Die dritte Organisation ist die in den Metros. Das ist eine eigene Organisation. Hier müssen Musiker ein Vorspiel absolvieren wobei geprüft wird, ob sie bestimmten Anforderungen entsprechen. Auch dann dürfen sie nur an den Plätzen spielen, die ihnen zugewiesen werden. Aber zu den Metros in einem anderen kapitel…

Heute war also Gracia dran. Diesem Viertel habe ich bisher noch nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich fuhr mit der Metro bis zu der Haltestelle Joanic, die sich am südlichen Ende des Viertels befindet. Ich war auf der Suche nach Plätzen die potentiell von Straßenmusikern genutzt werden könnten und hielt mich dabei an das, was ich bisher über die Platzwahl eines Straßenmusikers erfahren hatte. Erstens: nicht zu viel Lärm, zweitens: Keine Schulen, Krankenhäuser oder andere öffentliche Einrichtungen die genervt sein könnten. Drittens: der Platz darf nicht zu groß sein weil sonst der Klang verloren geht.

Natürlich ändern sich die Anforderungen an einen Ort mit dem Instrument aber ich ging davon aus Gitarristen anzutreffen, einfach wegen des Faktors Lautstärke in einem dichtbesiedelten Stadtteil wie Gracia.

Ich stieg also aus der U-Bahn aus und befand mich direkt auf einem kleinen Platz. Jedoch ohne Musiker . Dieser Platz grenzte direkt an eine Straße. Ich wollte keine Straßenkarte noch mein Handy benutzen und ließ mich einfach treiben. Ich folgte dem Gesetz der schönsten/interessantesten Straße im Hinblick auf mein Vorhaben. Von diesem Wahrnehmungsspaziergang habe ich eine Mindmap erstellt.

Mindmap

Es war sehr interessant, wie die Läden und die Architektur das Ambiente und die Anwohner beeinflussten in diesem Stadtteil. Es gab viele alternative Läden die Yogamatten und Räucherstäbchen verkauften, viele so genannte Barbershops die ihre Einrichtung an die Salons der 1920er Jahre angepasst hatten. In diesen Barbershops hielten sich viele dieser bärtigen hippen Männer auf.  Außerdem gab es viele Bioläden und einen Laden der eigenartig geformte Brote wie Juwelen in seinem Schaufenster ausgestellt hatte und aussah wie einer dieser Läden, die sehr gesundes Vollkornbrot und andere Brotexperimente im Sortiment führen. Als ich diesen Laden betrat, stand ich allerdings in einer ganz normalen Bäckerei deren einziges besonderes Merkmal die karge Auswahl und die liebevoll drapierten Brotleiber waren. Die Straßen waren nicht befahren und sehr ruhig. Viele Cafes und ausgefallene Läden. Der Geruch war von Räucherstäbchen oder dem Duft nach frischem Brot und Tee dominiert. Ich kam an vielen Plätzen vorbei, traf aber keinen einzigen Musiker. Nur einen Gitarristen dessen Instrument eingepackt war und der gerade dabei war, sich einen Joint zu drehen.

Vielleicht war es die Uhrzeit?

Ich beschloss die Passanten zu fragen, ob hier normalerweise Straßenmusik stattfinden würde. Ja, es würde oft Straßenmusik geben aber meistens abends und immer abhängig vom Wetter berichtete mir der Kellner eines Restaurants an einem der kleinen Plätze.

Die nächste Observation findet Abends statt.

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Gracia/Platz

Gracia/Platz

 

Gracia/Platz

30.10.2014

Observation der Kathedrale:

Wie so oft saß heute Vormittag am rechten Flügel der Kathedrale die Zymbalspielerin, die ein steifes Lächeln aufgesetzt hatte und diszipliniert ihr Programm spielte. Gut gekleidet, durchgehend lächelnd und unnahbar.

Vor der Kathedrale allerdings spielte eine Band die ich bisher nicht gesehen hatte. Ein Jazz/Swing Band. Diese Band machte sehr gute Musik und ich hörte ihnen eine Weile zu. Das Trio wurde umlagert von Menschen. Die Musik ging in die Beine, ließ die Zuhörer im Takt wippen und zauberte ihnen ein Lächeln auf die Lippen. Sogar auf dem Balkon eines angrenzenden Hauses sieht man einen Mann im Takt wippend von dem Balkon in die dahinter liegende Wohnung gehen. Die Menschen die das Trio umringen sind gemischten Alters, die meisten sehen aus wie Touristen denen die Lebensfrohe Musik in ihren Ferien passend kommt. Das Trio besteht aus Klavier, Trompete und Banjo gespielt von drei Männern. Der Banjospieler hat lange etwas fettige Haare zu einem Zopf gebunden und singt ab und an zu der Musik. Wenn er singt, macht er den Mund einseitig auf, als würde der Klang sich in der einen Wange entwickeln und nur auf dieser Seite herausklingen können. Er hatte außerdem ein Dauerlächeln und ein verklärten Blick. Der Trompeter ist ein weißhaariger älterer Mann der zurückgelehnt in einem Klappstuhl zu der linken Seite des Klaviers sitzt.  Er ist sehr gut gekleidet: weißes gebügeltes Hemd, beiger Blusson und eine farblich passende Hose. Auch die Haare sind ordentlich zurechtgemacht und seine Trompete ist natürlich golden und nicht silbern. Der Klavierspieler ist versteckt hinter seinem Klavier und scheint daher nicht besonders groß zu sein oder zumindest kein Sitzriese. Warum ich den Trompeter so genau beschrieben habe? Weil ich zum ersten Mal einen Spieler auf der Straße gesehen habe, der zufrieden und wohlhabend aussieht. Damit grenzt er sich von anderen Straßenmusikern ab die ich bisher beobachtet habe. Die Musik zeugt von musikalischem Niveau und die Leute schmissen freudig Geld in den leeren Banjokasten. Es sind keine Lizenzen zu sehen. Es ist interessant zu beobachten was die Menschen dazu bringt Geld zu geben und in welchen Situationen sie geizig werden. Durch die zuhörenden Menschen gehen zwei Bettler die das Geld sichtbar besser gebrauchen könnten als die Musiker, die aber konstant unbeachtet bleiben. Diese Situation verdeutlicht nochmal wie sehr die Touristen die Struktur der Stadt verändern. Musiker und Bettler und Schwarzmarkt verlagern sich abhängig von den Strömungen der Touristen.

Auf dem Platz Sant IU packt der Harfenist sein Instrument ein, es ist 14:00 Uhr und Siesta;)

Auf dem Platz vor dem Markt Santa Catarina sitzt der Gitarrist mit der Brasilien-Farne und spielt in seine Gedanken versunken.

10.11-13.11.2014

Ich möchte diese Woche dem Thema des Sozialen Raums und der Atmosphäre widmen und habe dazu die Texte die Produktion des Raumes von Henri Lefebvre, sozialer Raum und Feld der Macht von Pierre Bourdieu und ein Interview bezüglich Musik und Atmosphäre der Musiktherapeuthischen Umschau mit Gernot Böhme gelesen. Ein Text dazu ist bereits geschrieben und wird separat auf dem Blog erscheinen unter dem Titel: Sozialer Raum und Atmosphäre (Überthema:Theorie)

13.11.2014

Wahrnehmungsspaziergang Montjuic, Interview mit einem Musiker der Organisation AMUC,  Vorlesung Manuel Delgado und anschließendes Treffen der Forschungsgruppe.

18.11.2014

Die Forschungsgruppe GREC hat heute eine Vortragsreihe über Wohnen und Stadt in der UB organisiert. Ich habe mir die Vorträge angehört und möchte besonders den Vortrag über den Stadtteil El Bon Pastor hier zusammenfassen. (Er erscheint unter Buchvorstellungen und Vorlesungen).

19.11.2014 in Gracia

Nachdem ich mich am Vormittag mit der Theorie von Henri Lefebvre zu sozialen Räumen beschäftigt habe, habe ich mich am Nachmittag auf eine kleine Exkursion nach Gracia begeben. Der Stadtteil, der nach Räucherstäbchen riecht, in dem es an jeder Ecke Yogamatten zu kaufen gibt und nachmittags überwiegend Frauen und manchmal Männer oder Großeltern mit Kinderwagen unterwegs sind. An diesem Nachmittag habe ich drei interessante Beobachtungen gemacht. der erste Platz den ich betrat und der normalerweise bevorzugt von Musikern bespielt wird, war heute besetzt von drei Polizisten, die mitten auf dem Platz standen und auch ihr Auto hier, mitten auf dem Platz, geparkt hatten. Hier würden sich also so schnell keine Musiker niederlassen. Ich ging durch die belebten Straßen weiter. In einer dunklen Durchgangsstraße, direkt neben dem nächsten Platz, stieß ich auf einen Violinisten. Das erste, was mir auffiel war nicht seine Person, dafür war die Straße zu dunkel, sondern die schrägen Töne die irgendwo in dem Dunkeln zwischen den Menschen hervorkam, dann entdeckte ich erst die Person die diese Töne produzierte. Der junge Mann hatte dunkle, lockige Haare, war ca. 25 jahre alt und trug eine lockere, helle Jeanshose und einen hell grünen Sweatshirt-Pullover. Auf seinem Gesicht lag ein freches Lächeln, das auch in den nächsten Minuten in denen ich ihn so unauffällig wie möglich beobachtete nicht verschwand.  In dem Geigenkasten vor ihm lag ein Zettel auf dem stand ,,Folge deinem Traum” und ein kurzer Text erklärte, dass dieser junge Mann aus Argentinien angereist sei um hier auf der Straße sein Glück zu versuchen. Das Treiben der Menschen, die Dunkelheit und die schrägen Töne regten nicht zum verweilen an, sondern führten bei mir zu dem Verlangen diese Straße so schnell wie möglich zu verlassen außerdem hätte ich direkt vor dem Musiker nicht stehen bleiben können, da ich den ganzen Verkehr aufgehalten hätte, also ging ich ein paar Schritte weiter und beobachtete von der Seite.  Die Straße war eine kurze Straße ohne Autos, die eine befahrene Straße mit einem kleinen Platz verband. Es gab keinen Bürgersteig und die Straße war eher eng und schien nicht für Autos gedacht, trotzdem passierte der ein oder andere Lieferwagen oder Müllwagen die Straße. Obwohl sie sehr dunkel war, stellte sie anscheinend einen wichtigen Transitbereich da und wurde von vielen Fußgängern genutzt . Eingerahmt wurde sie auf der einen Seite von Mietshäusern und auf der anderen Seite von einem kleinen Supermarkt, der seinen Eingang allerdings nicht auf der Straße hatte, sondern um die Ecke auf dem Platz. Ich beschreibe den Ort so genau, um nach dem Beispiel Henri Lefebvres einen Raum als vorübergehendes Produkt mehreren Faktoren und Indikatoren zu beschreiben. Lefebvre schreibt, dass jede Gesellschaft mit ihrer eigenen Produktionsweise einen (sozialen) Raum produziert der sich nicht durch Texte bzw. Regelmäßigkeiten erklären ließe, sondern als eine akute Situation beobachtet werden müsse, die sich je nach Zusammenstellung wieder ändern könne (Hauser, Susanne/ Kamleithner, Christa/Meyer, Rolang (Hg.) 2011: 388). Aufgrund des Zusammenspiels von Licht, Architektur, Personenverkehr und Musiker+Musik entstand ein Raum, der nur vorübergehend bestehen würde und sich als Produkt seiner Einflüsse mit diesen wieder verändern würde. Wie war also dieser Raum? Wenn ich es wie ein Musikstück beschrieben würde, wäre die Situation ein Dissonantes Quintett in dem die Instrumente jeweils eine schlüssige Melodie spielen im Zusammenspiel aber einen dissonanten Klang ergeben. Die Beschaffenheit der Straße hatte durch ihre Dunkelheit und die kürze deutlich einen Transitcharakter zu dem der Musiker im Gegensatz stand denn Musik regt meist zum verweilen an und wird meist, auch in der Straße, im Stehen, sitzen oder langsamen vorbeigehen angehört. Dann war da das Spiel des Musikers, das Schild und sein Dauerlächeln. Die folgende Beobachtung ist sehr subjektiv und spiegelt mein persönliches empfinden gegenüber diesem Musiker und der Situation wieder. Bevor ich das Schild gelesen hatte, war die Ausstrahlung des Musikers in Kombination mit dem, die Intonation betreffend, sehr schiefen Spiel für mich provozierend. Provozierend oder unschuldig, weil er nicht merkte wie schief er eigentlich spielte. Erst als ich das Motto auf seinem Schild gelesen hatte, änderte sich mein Empfinden und wechselte zu einem pflichtbewussten Verständnis, dass aber nur ein unterschwelliges Unverständnis gegenüber der Musik übertönte, schließlich hat ja jeder das Recht dazu seinen Traum zu verwirklichen aber konnte es so erfüllend sein schräge Musik zu machen? Es erinnerte mich eher an eine Marketingstrategie als an eine Passion für ein Instrument oder die Musik. So meine eigene Reaktion. Zu den Reaktionen der Passanten: da es sich wie gesagt um einen Transitraum handelte, glich diese Situation den Situationen in der Metro. Die Leute hatten ein Ziel oder auch nicht aufjedenfall liefen sie zielstrebig an dem Spieler vorbei, mache hoben den Kopf, gucken dem Musiker ins Gesicht und dann auf das Schild, wenige ließen eine Münze in den Geiegnkoffer fallen, was nichts an dem Lächeln des Musikers änderte. Ein Auto quetschte sich durch die Straße und übertönte für kurze Zeit das Spiel. Da ich keine Lizenz bei dem Musiker sah, schlussfolgerte ich, dass der Ort eine Vorsichtsmaßnahme sei. Denn der Platz, der sich direkt zwei Meter weiter befand wäre ein viel geeigneterer Ort zum musizieren.

auf der anderen Seite des Platzes spielte sich in einer ähnlich engen, dunklen Transitgasse ein ähnlich schräges Spektakel ab. Ein Mann im feinen Anzug spielte Gitarre und sang dazu, im stehen. Das war das erste Mal, dass einen Gitarristen hier habe stehen sehen. Das Spiel war sehr leise und wurde die meiste Zeit übertönt. Doch die Erscheinung des Mannes lenkte sowieso von dem Spiel ab. Der graue Anzug, der sofort die Assoziation: Geschäftsmann weckte im Gegensatz zu dem Treiben der Straße und den Menschen die diesen Mann größtenteils nicht beachteten. Wie gesagt die Situation an diesem Abend in Gracia glich einer Dissonanten Quintett Vorstellung.

Quelle: Hauser, Susanne/ Kamleithner, Christa/Meyer, Rolang (Hg.)( 2011): Architekturwissen. Grundlagentexte aus den Kulturwissenschaften. Bd.:2 : zur Logistik des sozialen Raumes. Transkript Verlag.

20.11.2014

Heute habe ich die  Vorlesung über Massen von Manuel Delgado besucht und außerdem eine interessante Beobachtung in Raval gemacht. ein Mann, der aufdringlich vor den Tischen eines Restaurants niederkniete um dort mit seiner Gitarre zu spielen. Die Leute wirkten nicht begeistert oder gestört, sie ignorierten den Mann einfach. Die Ignoranz und Immunität gegen diese Omnipräsenz von Musik und Aufdringlichkeit ist eine Beobachtung, die ich immer öfter mache. Der zusammenfassende Text über die Vorlesung folgt….Am Abend habe ich mich nach Gracia begeben um dort nach Musikern zu suchen. Wieder einmal hat sich meine These bestätigt, dass unter der Woche abends nicht die beste Zeit zum musizieren ist. Ich habe keine Musiker gesehen und daran hat sich in zwei Stunden nichts geändert. Nur ein Mädchen, dass sich auf eine Bank gesetzt hatte um dort mit ihrer Gitarre zu spielen.

21.11.2014

Ich habe heute am Morgen den selben Gitarristen am Strand gesehen, den ich bereits seit vier Wochen jedes Wochenende am Strand sehe. Er spielt Gitarre und Mundharmonika und singt dazu. Die Stimmung, die er mit seiner Musik erzeugt geht Hand in Hand mit der beruhigenden Stimmung und der Assoziation Freiheit, die das Meer vermittelt. Die Leute setzen sich hin und hören dem Musiker zu. Der Platz bietet sich dazu an da viele Sitzgelegenheiten vorhanden sind und ein Spaziergänger die Situation für eine Pause nutzen können. Auch die Salsaband, die ich bereits zweimal gesehen habe, spielt wieder in der Nähe der U-Bahn Station barceloneta, am Strand.

Ich habe eine Videoaufnahme gemacht von der Salsaband  und ein Soundscape von dem Musiker mit der Mundharmonika. Die Website erlaubt mir leider das hochladen von Audiodateien nicht aber wer sich für die Aufnahmen interessiert, dem schicke ich sie gerne privat zu.

24.11.2014

Heute habe ich einem Treffen der Organisation AMUC beigewohnt. Eine sehr interessante autonome Organisation, die Musik in dem unterirdischen Spielraum von Barcelonas Metro organisiert und eine für die Zukunft vielversprechendes Organisationskonzept vorstellte. Den Artikel habe ich bereits verfasst und zwecks inhaltlicher Überprüfung an die Organisation AMUC geschickt.

25.11.2014

Ich habe mich mit einer Unterschrift dazu verpflichtet inhaltlich keine Veröffentlichungen zuz machen, bevor meine Texte nicht von der Organisation AMUC gelesen wurde. Daher kann ich nicht viel über den heutigen Tag schreiben. Ich war erneut bei einem Treffen der Organisation. Für den Abend wurde ich von einer Musikerin zu ihrem Geburtstag eingeladen und fand mich ab 21 Uhr in einem kleinen Pub mit Bühne in dem sich jede Menge Musiker aus der Organisation AMUC und andere Straßenmusiker sammelten und anlässlich des Geburtstages eine Jam veranstalteten. Ich machte ein Audiomitschnitt und habe nun ein kleines Best off von Barcelonas Straßenmusik. Außerdem eine wunderbare Situation um neue Interviewpartner zu finden und ordentlich das soziale Netzwerk zu erweitern. Diese Menschen sind wirklich unglaublich offen und hilfsbereit und haben ein großes Interesse gehört zu werden, da sie viel zu erzählen haben.

26.11.2014

Heute habe ich ein Treffen mit einem Straßenmusiker, der selber seine Master Thesis über Architektur und Straßenmusik geschrieben hat. Er erzählt mir über sein Vorgehen und wir haben vor zusammen Temperatur-, Licht- und Lautstärke- Messungen an Orten zu machen, die zum Musizieren genutzt werden.

 

27.11.2014

Ich habe den Tag genutzt, um den Text über die Organisation AMUC zu beenden und an die entsprechenden Leute innerhalb der  Organisation zu schicken, außerdem habe ich die Vorlesung von Mauel Delgado Ruiz besucht.

28.11.2014

Aufbereitung des Materials der letzten Tage ( Masterarbeit und Geburtstag). Es besteht eine Audioaufnahme mit Mitschnitten von Musikern, die sich aber aus einem mir unerklärlichen Grund nicht auf diesem Blog hochladen lässt.

 1.12.2014

 

Erster Dezember, die Straßen sind mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt die so bunt, dicht und groß ist, dass man sich fragt, wo der Aspekt der Krise geblieben ist. Haben sie ihn einfach vergessen? Ich habe mich heute wieder der Musik in den Metros gewidmet und werde später noch ein Gespräch mit einem Musiker führen zu dem Thema: Strafen und Rechte und die Probleme, die Musiker mit der Polizei haben.

Zurück zu der Metro.Die Beobachtungen stehen unter dem Fokus: Ambiente, Beschaffenheit des Raumes und Unterschiede zwischen beschallten Tunneln und nicht beschallten Tunneln.

1. Station: Passeig de Gracia

Musiker: Pianistin mit E-Piano, zwischen 40-50 ahre alt.

Stücke: viel Moll , Phantom der Oper.

Beschaffenheit des Raumes: Sehr langer Gang mit roten, großen, fest installierten Werbetafeln. Diese geben dem Raum einen warmen Farbton. Materialität: Wellblech, Stein, Plastik.  Temperatur: sehr warm! Ungefähr Zimmertemperatur ( 25 Grad)

Beobachtungen: der Gang ist so lang, dass  man die Pianistin, die sich in der Mitte des Ganges befindet, erst nach ein paar Metren hört. Ohne Musik kommt mir der Gang zunächst sehr lang vor und ich konzentriere mich auf andere Sinne als den Hörsinn. Ich sehe  den Schmutz, rieche einen muffigen Geruch und nehme die Menschen um mich intensiver wahr. Dann höre ich das Klavier. Die Musik verändert meine Wahrnehmung und versetzt mich in eine andere Stimmung. Nicht nur einen Einfluss auf die Stimmung hat die Musikerin, sie verlagert auch den Fokus der meisten Passanten auf sich. Nicht nur, dass viele sie angucken um dann schnell wieder zu Boden zu gucken. An der Stelle, an der die Pianistin sitzt, verengt sich der Raum und der Strom der Menschen muss sich dieser Verengung anpassen. Über die Musik beschäfte Je weiter ich mich entferne, desto mehr fallen mir die Geräusche der Fußtritte der Menschen um mich herum auf. Ich bin noch auf meinen Hörsinn fokussiert und je leiser das Klavier wird, desto mehr Rücken andere Geräusche in den Vordergrund. Es sind nicht sehr viele Menschen unterwegs ( 11:50 h) und die Geräusche von Schritten ohne Stimmen oder Musik , geben dem Ort eine Anonymität.

2.Station: Catalunya . Auch in dieser Station gibt es einen Gang, der etwa 30 Meter lang ist.
Musiker: Violinist mit Artifizieller Klavierbegleitung aus einer Box. Der Musiker steht, ist ungefähr 27 Jahre alt und spielt bekannte Stücke wie Halleluja .
Beschaffenheit des Raumes : Die Decke ist tief, die Farben beschränken sich auf Weißtöne, da Wände und Decke weiß sind. Diese Gang dient zum Wechseln der Metrolinien und als Ausgang . Materialität: Stein und eine Wandverkleidung die aussieht wie überlakierte Plastiktafeln. Außwerdem an manchen Stellen Wellblech an den Wänden. Der Grund warum ich der Materialität des Ganges Aufmerksamkeit schenke ist die Frage, ob Material und Architektur die Akustik beeinflusst.
Die Akustik ist gut, nicht trocken, viel Nachhall deswegen bieten sich langsame Lieder an. Hier entsteht mehr Nachhall als bei der Station Passeig de Gracia.
Ich laufe hin und her in dem Gang und setzte mich dann auf eine Bank am Bahnsteig. Von hier kann ich, vorausgesetzt die Bahnen haben den Bahnhof verlassen, den Violinisten auch hören. (viel Hall) Mich interessiert sein Programm. Ich höre Halleluja, ein anderes Stück und dann wieder Halleluja. Ein Mann kommt mir entgegen und singt das Lied Halleluja mit. Die dritte Bahn fährt ein und als sie den Bahnhof verlassen hat, warte ich vergebens auf den Klang der Violine. Ich gehe in den Tunnel und der Violinist ist verschwunden.
Auch in diesem Tunnel änderte sich die Stimmung und meine Wahrnehmung mit dem Verschwinden des Musikers. Das Fußgetrappel, keine Stimmen, Werbung aus den Lautsprechern der Metro. Ohne die Musik verliert die Station an Farbe und gewinnt an Anonymität.

3. Station: Drassanes und Para-lel

Heute leider keine Musiker. Ich habe bereits von einem anderen Musiker gehört, dass der Montag von Musikern oft als Ruhetag genutzt wird. Heute kann ich diese Aussage aus eigener Beobachtung bestätigen denn Para-lel ist eine Station in der meistens Musiker spielen.

2.12014

Ich habe mich heute wieder in diese wunderschöne Bibliothek begeben um das Interview von gestern zum Thema: Polizeieinsätze gegen Musiker, zu transkribieren und ein bisschen nach neuer Literatur zu suchen. Außerdem habe ich einen kleinen Text aus den Kernthemen des Interviews geschrieben und hier veröffentlicht.

3.1.2014

Eine ganz besondere Eigenschaft, die man den Musikern der Straße lassen muss ist ihre besondere Fähigkeit des improvisierens. fast jeden Abend finden Jams statt bei denen sich Musiker treffen und zusammen musizieren. Die Orte dieser jams sprechen sich via Mundpropaganda unter den Musikern herum. Durch meine Arbeit habe ich bereits einige Kontakte unter diesen Musikern was dzu führt, dass ich fast jeden abend zu einer Jam eingeladen werde. Heute abend war es ein ganz besonderer Anlass. Die Jam fand in einer diesen alten Bars statt, die heute reihenweise geschlossen werden aufgrund von Souvenirläden oder anderen Anbietern die mehr Geld bieten. Ich habe mit der Wirtin gesprochen die seit 53 Jahren in dieser Bar arbeitet und genug Info-Material  zusammen um einen kleinen Umriss in Textform zu erstellen.

 

 

 

 

 

 

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