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Befragung zum Barrio Gótico 08.02.2015

Befragung zum Thema El Gótico Ich habe heute eine schriftliche Befragung durchgeführt im Rahmen eines Konzertes von Straßenmusikern in einer Bar in El Gótico. Die Fragen bezogen sich hauptsächlich auf das Viertel und nicht auf die Musik speziell. Grund der Befragung war mein Interesse nach dem Status des Viertels. Ich habe bereits von vielen Menschen das Wort: Themenpark in Verbindung mit dem Viertel El Gótico gehört und wollte diesem näher auf den Grund gehen. Zu den Personen: Alle sind wohnhaft in Barcelona aber nur eine person von 10 ist in Barcelona geboren. Alter: Vier Peronen zwischen 40 und 60 Jahren. Sechs Personen zwischen 25 und 35 Jahren. Datum der Befragung: 08.02.2015

Atmosphäre in El Gótico: -Animierend + 2 -Dynamisch -Multikulturell+2 -freudig + 1 -verwirrend -schön +1 -alt -historisch +1 -divers +1 -Polizeikontrolle +1 -Voll -Lebhaft -Populär -Kleine Bars -Enge Straßen -Bars -Touristische Läden -Jung + 1 -Romantisch Bedeutung des Viertels aus persönlicher Sicht -Unterdrückung -Vielfalt +1 -Ikonographisch -Touristisch -Schnittstelle der alten wurzeln Barcelonas und des modernen Barcelonas -Enge Nachbarschaftsverhältnisse -Inspiration -Der typischste Teil Barcelonas. -Touristenattraktion -Zu viele Touristen -Unkontrollierte Überschwemmung -Geschichte -Altertum -Kunst -Kultur  

Wer oder Was hat Einfluss auf die Atmosphäre: -Läden -Bars -Kunst -Ausländer -Tourismus +2 -Soziale Diversität +2 -Kulturelle Aktivitäten auf der Straße -Das Kommen und gehen der Leute +1 -Die engen Straßen -Die Lichtverhältnisse -Architektur -Zu viele Polizisten

Was fügt die Musik dem Viertel hinzu? -Junge Menschen -Freude+1 -Leben +1 -Originalität -Kultur -Konstanter Wechsel in der Benutzung von Raum -Kulturelle Bildung für jungen Menschen -Ambiente -Stimmung -Hotels -Polizei Authentisch? Ja:6 Nein:1

04.02.2015

Ich habe heute die ersten Messungen gemacht und hatte Glück, da ich den Platz um die Kathedrale ohne Musiker und mit wenig Touristen belebt, vorfand. Also ich habe drei Plätze bemessen an denen normalerweise Musiker sitzen und die Werte Lumen, Schallpegel und Temperatur festgelegt. Gleichzeitig habe ich Fotos gemacht und einige Menschen zu ihrer Meinung befragt. Den Morgen hatte ich damit verbracht, mir das passen Equipment zu installieren. Die Messungen ergaben folgende Ergebnisse:

Platz Helligkeit Temperatur Schallpegel
Zugang Placa IU (14:41 Uhr) 191 Lux 6 60 Average dB 70 Peak dB
Placa IU 327 Lux 6  60
Vorplatz Kathedrale 1572 Lux 6 76 dB
Musiker Kathedrale 1545 Lux 6
Calle Bispe 1448 Lux 6 73 dB
Carrer de la Pietat 266 Lux 6 73 dB
6

Ich habe mich danach wieder auf die Bank vor den Platz gesetzt um die Leute zu beobachten und habe wieder ein ähnliches Verteilungsmuster wie gestern festgestellt: Auf einer kleinen Karte habe ich kleine Skizze gemacht: Es gibt Pfeile die das Transitverhalten aufzeigen und Kreise die Gruppierungen zeigen. Es gibt drei Phänomene, die sich wiederholen: 1, auf dem großen Vorplatz bleibt der Platz in der Mitte meist wie eine Schneise frei. 2. Die breiten Treppe, die von der Empore, auf welcher die Kathedrale steht runter auf den Vorplatz führt, ist meistens auf den obersten Stufen sitzend eingenommen. die Treppe zum Eingang ist allein Transitraum und meist befindet sich eine Gruppe ( Reisegruppe) zwischen den breiten Treppen und dem Aufgang zur Kathedrale. Auch der Musiker hat immer den selben Platz inne. Der großzügige Vorplatz hatte mich schon in der letzten Zeit stutzig gemacht und so fragte ich Passanten, ob es immer so gewesen sei? Die Antwort war: Nein! Früher hätten hier Häuser gestanden und heute ist es der perfekt Platz zum Selfies machen und für Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte.

Foto 1-2

Rückseite der Kathedrale – Blick auf den Placa IU

Featured image

Foto 2-4 Placa IU > Sicht von dem Platz auf dem normalerweise ein Musiker steht

Foto 4

Palakette> Placa IU

Foto 3-1

Placa Sant IU> Sicht von dem Standort des Musikers.

Foto 5-1

Standort Musiker Placa Sant IU

Standort Musiker Placa Sant IU

IM Vergleich habe ich Messungen des Platzes Sant IU und und der Metro Passeig de Gracia mit Musiker gemacht. Es fällt eine deutlcihe Veränderung in der db Einheit auf. Mit zu beachten sind Materialitäten des Ortes. Passeig de Gracia: langer tiefer Gang, weiße Kunststoffverkleidung an den Wänden und Steinboden. El Gótico: fast geschlossener Hof mit zwei Öffnungen. Stein. Die Zahlen zeigen, dass der normale Schallpegel ungefähr bei 60 db liegt und sich durch die Gegenwart vieler Touristen auf ca. 72 db erhöt. Sowohl in der Metro als auch in El Gótico steigt der Schallpegel bei beschallung ducrh ein Instrument auf ca. 80 db. EInen Unterschied gibt es in der Metro. Durch die Beschaffenheit des Ganges verteilt sich der Schall dort anders als in El Gótico. Der Unterschied liegt in der Verteilung des Klangs. In der Metro ist der Klang sehr kompensiert an der Stelle wo der Musiker steht. Daher ist die Lautstärke sehr unterschiedlich abgesehen von der Distanz zu dem Musiker. In El Gotico verteilt sich der klang schneller und entwickelt weniger Hall, da es weniger Wände gibt, die den Schall reflektieren. Auch das Material spielt hier eine Rolle. Der porröse Stein reflektiert den Schall nicht so sehr wie eine glatte Kunststoffoberflöche in der Station Passeig de Gracia. Das Resultat ist also: Der Dezibel ist an beiden Orten ähnlich, die Warnehmung ist unterschiedlich. Während die Musik in der U-Bahn lauter klingt erscheint sie aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Lokalität auf dem Placa IU leiser.

Platz Helligkeit Temperatur Sachallpegel Musikinstrument
IU 351 lx 6 Grad 82 db Gitarre+ Gesang
Metro P. de- 351lx 80 db Violine
Gracia
Metro P. de 351 lx 61 db keines
Gracia

Interview 3// Emanuel // Musiker ohne Lizenz

Gespräch mit Emanuel und seinem Freund Emanuel 😉
Aufgrund der gleichen Namen habe ich folgende Kürzel benutzt:
E: Emanuel
F: Freund von Emanuel
S: Sophia

E. Es ist sehr schwer eine Lizenz zu bekommen.

S. Und dort auf dem Monjuic wo ich dich gesehen habe, dort kommt die Polizei nicht hin?

E. Naja letztens haben sie mich verwarnt. Also es gibt viele Diebe dort auf dem Monjuic und deswegen ist die Polizei eher beschäftigt mit diesen Räubern als mit den Musikern. Es ist eigentlich so, wenn die Polizei nichts zu tun hat, beschäftigt sie sich mit den Musikern.

S. Ja? Aber die Polizisten laufen nicht so viel hier habe ich das Gefühl. Das heißt,sie kommen nicht so gut an die Plätze wo Musiker spielen.

F. Doch finde ich schon. Mit ihren Motorrädern, Autos, zu fuß und oft kommen sie auch getarnt als Passanten mit zwei Rucksäcken oderso.

E. Seit einer Woche spiele ich jetzt dort an der Stelle wo du mich gesehen hast. Vorher war ich weiter unten auf einem großen Platz bis die Polizisten mich gefasst haben. Deswegen habe ich gewechselt. Ich habe aber vorher schon an vielen anderen Plätzen in Barcelona gespielt. Als sie mich gesehen haben saß ich auf dem Platz mit den Fontänen am Anfang vom Montjuic, extra so, dass man mich von der Seite von der die Polizisten kommen nicht sieht. Naja…

S. Und deine Motivation auf der Straße zu musizieren? Geld ? Die Musik? Was war zuerst da?

M. Also ich spiele weil es mir Spaß macht und natürlich wegen dem Geld aber auch weil es mir Spaß macht…ich mag die Leute und ich möchte etwas Schönes dem Ort hinzuzufügen. Ich will nicht stören. Außerdem tue ich es für mich selber, wenn das nicht so wäre, würde ich etwas anderes verkaufen…

S. Und warst du bereits in anderen Städten zum spielen?

E. Ja.

S. Welchen Unterschied gibt es?

E. Also in Europa war ich nur in Spanien. Und eigentlich passiert ein bisschen an allen Orten das gleich: das es immer mehr verboten wird. Wegen dem Geld…aber wenn sie alles verbieten, gibt es Probleme, dass regt die Leute auf. Manchmal sind sie auch hinter den Musikern her, nehmen dir die Sachen weg und die Gitarre. Also in Spanien lassen sie dich für alles büßen, die sind hinter dem Geld her. Alles wird verboten und mit Bißen bestraft, dass gibt Geld. In Argentinien ist das zum Beispiel anders. Da darfst du in den Straßen Alkohol trinken, Musik spielen und so weiter.

S. Wo genau?

E. Im Süden von Argentinien, in Badaloni

S. Als Musiker observierst du bestimmt die Menschen um dich. Wie reagieren sie? Wie veränderst du mit deiner Anwesenheit den Ort?

E. Klar es gibt Menschen die haben ein musikalisches Gehör, denen gefällt Musik im allgemeinen und wieder anderen gefällt andere Musik.- weil meine Musik ist ja sehr ruhig.

F. Ja, ich glaube das hängt viel mit der Art der Musik zusammen. Ich spiele jetzt seit vierzehn oder fünfzehn Jahren in der Straße und wenn ich selber durch die Straßen gehe, sehe ich manchmal Gruppen die spielen aber ich kann nicht anhalten weil ich keine Zeit oder kein Geld habe. Aber ich kenne die Situation aus eigener Erfahrung: Du spielst in der Straße weil du kein Geld hast und dann hält keiner an, keiner gibt Geld…das ist blöd.

E. Ja und das ist das Gute an den Touristen bei der Sagrada Familia oder dem Montjuic. Die haben alle Zeit der Welt. Die Menschen die hier leben sind es nicht die anhalten, die sehen die Musik jeden Tag und sind schon gelangweilt. Eine Sache ist auch in der Metro, mir gefällt es nicht sonderlich in der Metro zu spielen, man braucht eine Erlaubnis und muss ein Examen machen.

S. In der Metro gibt es auch Lizenzen?

E. Ja, man muss zu einem Ort gehen wo man ein Casting macht und dann die Lizenz bekommt, die teilen dich ein und sagen dir wann du wo spielen darfst. Aber es gefällt mir nicht.

S. Es ist nicht der beste Ort um Musik zu machen, oder?

E. Nein es findet so viel Austausch statt in der Metro, für mein Instrument ist das nichts. Wenn ich die Leute in der U-Bahn spielen sehe, haben sie meist nur ein oder zwei Themen (Lieder). Das ist sehr traurig finde ich.

S. Es geht denen nicht um die Musik…

E. Nein aber sie quälen sich selbst und natürlich geht es um das Geld aber und wenn du davon lebst, dann brauchst du auch Geld und das ist eine Sache mit dem Geld….sehr unstetig. Es gibt keine Methode … manchmal gehst du und verdienst 100 € und..und… du denkst dir meine Güte, Wow, 100 € und manchmal sind es nur 20 €. Das ist immer unterschiedlich und du weißt nicht warum oder wann….ja.

S. Also wenn die U-Bahn nicht dein Ort zum spielen ist, wie wählst du in einer Stadt deinen Platz zum spielen aus…..von was hängt ein guter Platz ab?

E. Die Akustik natürlich. Das Gebiet um die Kathedrale mit den gotischen Gebäuden, das ist toll….besonders für klassische Musik. Aber auch an den Ramblas ist es toll. Da bei der Kirchen…da sind immer viele Paare (lacht).

S. Wenn du in einer neue Stadt kommst, wie würdest du einen Platz zum spielen suchen?

E. Also ich war in Granada lange und ich würde mich schon zuerst an den Touristen orientieren und suche nach Touristenatraktionen. Aber genauso würde ich andere Musiker fragen die ich auf der Straße sehe. Auch auf den Plätzen wo viele Cafés sind, spiele ich manchmal. Da kann man nur nicht lange spielen weil dann der nächste kommt und sagt: ey jetzt bin ich mal dran.

F. Und die Nachbarn..

E. Ja, die Nachbarn. Wenn man zu lange spielt kommen sie runter und rufen die Polizei

S. Ist es in Gracia (Stadtteil in Barcelona) auch verboten zu spielen?

E. Ja, überall.

F. Sie spielen trotzdem und manchmal kommt die Polizei und manchmal nicht

E. meistens kommen sie nur wenn jemand sie anruft. Es gibt Leute die sagen nichts und rufen einfach die Polizei..manche stört es einfach, die Musik oder das man seine CDs verkauft und nichts bezahlt sondern Geld macht. Andere zahlen viel Geld um sich einen Laden leisten zu können in dem sie dann verkaufen.

F. Ja und stell dir vor in Gracia gibt es 7 Plätze oder 8 und dann kommt einer und der nächste und der nächste und eine Gruppe. Vor einigen Jahren war es so und die Nachbarn haben gesagt, jetzt reicht’s. Und in der Rambla Catalunya, kennst du die? Da ist das “Büro“ aller Musiker in Barcelona (lacht)damit meine ich, dass sie sich dort sammeln weil es viele Terrassen bzw. Plätze mit Cafés gibt und es gab eine Zeit, da waren es so viel – und dann die ganzen Roma mit ihrem Akkordeon, dass du nicht mehr spielen konntest und dann haben sie es verboten. Zunächst haben sie nur einen Stundenplan bis um 23 Uhr gemacht, dann bis 21 Uhr und dann haben sie alles verboten.

S. Seit wann ist das so?

F. Also jetzt spielen sie schon wieder dort in der Rambla Catalunya. Saxophon, Gitarre, Gruppen, einige tanzen sogar Tango. Und damals sind dann die Roma gekommen bevor es verboten wurde und haben auch gespielt, die ganze Zeit, immer die gleichen Stücke und du siehst auf der nächsten Bank schon einen sitzen der wartet um als Nächster zu spielen. Ja irgendwann hatten die Anwohner genug und sie haben alles verboten.

S. Aber sie wollen es verändern im Januar. Vielleicht privatisieren sie es…

E. In Deutschland ist das so….in München. Du musst bezahlen.

S. Aber es geht auch anders. In Havanna wird es so gemacht. Die Musiker haben eine Art Job bei der Stadt, bekommen Geld von der Stadt und werden zum Spielen in der Straße eingeteilt…

F. Dann musst du nicht betteln…aber hier bezahlen sie nicht.

E. Aber die Leute gehen in die Straße weil man mehr verdient. Du verdienst mehr in der Straße als in irgendeiner Bar oderso. Weil die dich nicht richtig bezahlen.

S. Echt?

F. Sie geben schon Geld aber immer weniger. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das verändert… Es gibt immer weniger Bars die Musik Live anbieten und immer mehr Musiker. Die Anzahl der Bars, das Doppelte an Musikern und ein Viertel an Geld. Also sagen sie: Wir geben dir ein belegtes Brot und ein Bier und 20 € und dann musst du die Anfahrt und alles bezahlen.

E. Aber dann verteilen sie auch in den Bars Strafen.

F. Ja ich habe einen Freund der ist so pleitegegangen. Auf den kanarischen Inseln. Er war arbeitslos und hat von seinem Arbeitgeber noch ein Arbeitslosengeld bekommen. Dann hat er in einer Bar gespielt und wurde von der Polizei überprüft und die Sache ist, dass du als Arbeitsloser der Geld bezieht nicht spielen darfst. Und dann nehmen sie dir das Arbeitslosengeld. Im ernst ich mache keine Späße. Dann kriegt die Bar eine Strafzahlung weil sie einen Musiker ohne Vertrag spielen gelassen
Und hier ist es so dass die Bars ein Messgerät für die Lautstärke besitzen welches mit dem Computer des Rathauses verbunden ist und um 23 Uhr drosselt dieser Computer das Volumen und um 24 Uhr nochmal und wenn dann ab 2 Uhr am Morgen noch Musik läuft die lauter ist als die vorgegeben Lautstärke, gibt es eine Strafzahlung für diese Bar. Also ist das Volumen der Bar direkt mit dem Rathaus verbunden und diese senken das Volumen. Diese ganze Einrichtung hat natürlich auch viel Geld gekostet.

E. Eine andere Option ist natürlich in der Metro also in den Zügen zu spielen.

F. Aber das ist verboten

E. Klar, es ist verboten. Ich habe mal eine Zeit da gespielt aber es hat mir nicht sonderlich gefallen. Klar wenn sie dich sehen kann es eine Strafe geben, es ist verboten. Da muss man aufpassen. Aber die Musiker in der Metro organisieren sich auch, es gibt eine Schlange. Die Musiker sitzen und warten bis sie dran sind. Wenn ein Zug kommt, steigt einer ein, spielt 15 min. bis zu einer bestimmten Station in verschiedenen Wagons und steigt dann aus und wartet. Dann ist der nächste dran. Als ich neu war ist mir das passiert. Ich bin gekommen und die haben mich gesehen und : Ey, ey was ist los? Was macht der da? Eye ey komm mal her! Haben sie gerufen und dann haben sie mir erklärt, dass ich mich in die Schlange stellen muss. Das ist auch damit man sich nicht in einem Wagon trifft. Ich frage mich warum sie es nicht in den Autobussen machen. In Argentinien machen sie das. Aber hier nicht.

S. Und wie ist der räumliche Unterschied zwischen Konzert und Straße? Du hast keinen Off-Raum. Fühlt man das?

F. Gut also ich glaube das ist unterschiedlich weil es gibt Gruppen in Barcelona, vor Allem im Sommer, in Barceloneta und am Strand, die viel Publikum haben und zum Beispiel Salsa spielen und Rumba mit vielen Rhythmusinstrumenten wie der Cachon. Ich habe auch in solchen Gruppen gespielt aber nicht ganz so groß nur ungefähr mit fünf Leuten. Klar und der erste Unterschied ist die Tageszeit. Du spielst am Tag und nicht abends oder nachts. Dann klar, du musst viel vorbereiten und auch das Programm wird anders zusammengestellt. Weil auf der Straße kannst du ja nicht ein langes Programm spielst sondern ein kurzes ca. 15 min. Programm und das wiederholst du dann. Weil wenn du zum Beispiel im Park Guell spielst von 12:00-15:00 Uhr, kannst du nicht ein einziges Programm spielen. Das sind drei Stunden. Außerdem brauchst du Pausen um dich auszuruhen und zu warten bis die Zuschauer gewechselt haben.

E. Also für mich ist es so: wenn ich auf der Straße spiele ist das eher als würde ich in meinem Zimmer üben. In einer Bar zum Beispiel bei einem Konzert ist die Energie ganz anders, viel komprimierter. Die Leute erwarten etwas und gucken dich alle an. Die Verantwortung ist eine andere. Mir gefällt es zum Beispiel auch nicht in der Straße zu singen. Wenn ich Konzerte gebe singe ich aber wenn ich in der Straße spiele singe ich nicht.

S. Und wie funktioniert die Kommunikation zwischen Musiker und Passant?

F. Das ist auch eine Arbeit. Da hast du Recht. Also einige kommunizieren gar nicht, spielen einfach und nehmen das Geld für die CDs entgegen. Aber andere kommunizieren mit den Passanten, animieren sie, zeigen dass die Show zuende ist damit neue Leute kommen können.

S. Das ist eine Nonverbale Sprache oder?

F. Ja nonverbal.

S. Und eine andere Kommunikation ist ja die Musik. Kannst du sagen wie die Leute auf bestimmte Songs reagieren? Also gibt es Songs bei denen die Leute bleiben und Geld geben?

E. Klar. Wenn ich anfange…(singt die ersten Töne der Carmen Suite) dann bleiben sie stehen und hören. Also ich habe beispielsweise ein Repertoire von 1,5 Stunden und zwischendurch spiele ich diese Lieder wie Carmen. Bzw. die drei bei denen ich mir sicher bin, dass sie funktionieren. Das ist verrückt manche Lieder haben nichts besonderes „Round midnight“ zum Beispiel. Ein richtiger Ohrwurm. Also da gefällt mir der Tango besser.

S. Piazolla…

E. Genau. Es funktioniert also spiele ich innerhalb dieser anderthalb Stunde Programm mindestens dreimal die drei Stücke die funktionieren. Das merkt ja keiner. Du kannst die Lieder auf der Liste sehen, die ich spiele (hält mir seine CD vor die Nase)

S. Ja, die kenne ich. Hab` beide von dir gekauft.

E. beide hast du? Du bist ja ein richtiger Fan…

S. Genau.

E. Ich gehe immer diese Liste durch wenn ich spiele obwohl ich noch mehr Stücke habe, die nicht auf der Liste sind. Die Liste habe ich im Kopf…hier siehst du 16 und insgesamt sind es 36 Stücke. Da sind die drei Lieder : Alfons y el mar, volver und carmen. Das gute an Tango ist, dass auch wenn die Menschen das Stück nicht kennen der Tango eine besondere Charakteristik hat die die Leute anspricht und die jeder als Tango wiedererkennt.

F. Welcher ist der Tango? Das letzte?

E. Ja, des letzte ist Piazolla. Nummer 16.

F. Spielst du ein Instrument, Sophia?

S. ja, Violine aber nur klassisch, was eigentlich schade ist.

F. Als Kind habe ich auch Violine gespielt.

S. Wie schön. Darf ich noch eine Frage stellen?

E. und F. ja ja!

S. Was wäre Barcelona ohne Musik, was gibt diese Straßenmusik der Stadt?

F. Ja die Musik gibt der Straße erst ihr Leben, Sie vitalisiert die Straße. Du kannst so viel sehe. Manche spielen mit Marionetten, manche spielen Musik, Tanz…so viel. Aber die Musik und die Kunst die in den Straßen stattfindet gibt ihr ein Leben, eine Farbe und klar ohne dieses wäre es viel….viel…langweiliger oder monoton oder farblos. Vielleicht auch kälter vom Ambiente und eintöniger. Klar das Ambiente hängt auch immer von der Musik ab. Ob sie Klassik oder Jazz oder Salsa und andere karibische Musik spielen oder Tango. Und ich denke das der größte Unterschied zwischen klassischer und anderer Musik wie Jazz und Rock besteht. Früher gab es auch mehr Klassik in der Straße…viele Russen, und andere aus dem Osten hinter dem Vorhang. 1989 war es glaub ich ungefähr, kamen viele Russen und viele die klassische Musik gemacht haben. Sehr gute Musiker alleine oder in Gruppen. Immer gut angezogen. Da haben viele gerne zugehört. Deswegen sage ich, dass es sehr darauf ankommt wer spielt und wann und welche Stücke. Das letzte mal, dass ich mit einer Gruppe in der Straße gespielt habe war mit ein paar Mexikanern.

S. Und wie findest du diese Menschen, wie finden die Gruppen zusammen?

F. Mich hatte ein Freund angerufen der keine Zeit hatte und normalerweise mit dieser Gruppe spielt.
Die Leute in der Gruppe waren alle ziemlich jung. Der Kontrabassist war 23. Und dann ging es los: erst Park Guell zum nächsten Spot und zum nächsten und ich mit meinen Perkussionsinstrumenten. Woahh das war anstrengend. Wir waren ein Saxophonist, ein Kontrabass, eine Posaune, ein Sänger und ein oder zwei Percussionspieler. Klar, wenn du singst brauchst du Pausen und musst aufpassen und die spielen bei Regen, Wind und Hitze. Deswegen muss die Show fokussiert sattfinden. Am Anfang gleich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen damit die Leute animiert sind Cds zu kaufen, Geld zu geben weil natürlich 20 min. für 6 Musiker, da kommen für jeden 20€ raus wenn es gut klappt. Der Sänger kann dieses Programm vielleicht viermal durchziehen und danach fehlt ihm die Stimme…deshalb ist es wichtig die Shows kurz und explosiv zu machen. Deswegen muss man sehr sympathisch sein, viel Show machen und die Leute direkt ansprechen. Und im Gegensatz dazu die klassischen Instrumente, da tanzt keiner, das ist eher eine ruhige Stimmung. Die Leute kommen und setzen sich und hören zu. Deshalb meinte ich es kommt darauf an welche Instrumente und welche Zusammensetzung damit ändert sich auch das Ambiente.

S. Was wäre denn die Zukunft der Straßenmusik für dich in Barcelona?

F. Also mhhh schwer.

S. Kann Straßenmusik als offen zugängliche Kunst gesehen werden?

F. Klar, du kannst hier Dinge sehen ohne in ein Konzert zu gehen und sogar Dinge die du nicht in einem Konzert sehen würdest. Aber ich weiß nicht (Pause) die Zukunft also ich hoffe, das sie nicht mehr verbieten und es besser wird weil es langsam langweilig wird. Die Musiker sind immer die gleichen. Und dann ist auch ein Problem, dass manche Musiker behaupten, ein Platz gehöre ihnen. Im Park Guell gibt es so ein paar gute Plätze wo man gut verdient. Und da habe ich es einmal gesehen. Einer der meinte der Platz gehöre ihm, er spiele immer hier. Das kann ja nicht sein. Der Ort gehört keinem.

E. Das ist mir auch mal in Gracia passiert mit den Afrikanern. Und ich kam zum spielen und einer der Afrikaner stand schon in einer Ecke. Dann habe ich mich hingesetzt und einer kam und meinte ich kann hier nicht spielen weil das sein Platz ist. Die haben sich da alles organisiert. Montag der eine, Dienstag der nächste in der einen und dann in der anderen Ecke. Keine Ahnung ob das eine Mafia ist (lacht) keine Ahnung wie das funktioniert.

F. Bestimmt eine Person die Menschen nach Europa bringt und die hier spielen lässt.

E. Vielleicht verdienen die 15 € pro Session und müssen dann einen Teil abgeben. Ich weiß es nicht aber irgendwas ist da.

F. Es gibt auch Trends. Zum Beispiel vor einigen Jahren die Djembe. Da haben auf einmal viele Djembe gespielt. Viele Italiener.

S. Keine Afrikaner?

F. Nein Italiener. Die waren auch nicht gut. Aber klar, da war für die Mode…

F. In der Zeit haben sie dann alle Percussionsinstrumente in Barcelona verboten. In Barceloneta und am Strand nicht weil es da nicht viele Anwohner gibt oder der Raum breiter ist. Es gibt halt zwei drei Punkte an denen es keine Nachbarn gibt.

S. Aber du spielst doch Percussion…

F. Ja ich spiele alleine nur Steeldrum und Percussion ist eher Schlagzeug und so. An der Porta de Angel gibt es eine Gruppe die eine Erlaubnis hat und einen Stundenplan. Das hat natürlich auch einen Grund. Stell dir vor jemand arbeitet in der Nacht und kommt nachhause um zu schlafen und um 10 Uhr morgens fängt ein Schlagzeug an…

F. Emanuel hat ja Gitarre studiert in Argentinien aber ich bin gekommen und konnte fast nichts. Und habe mit zwei oder drei Liedern angefangen und dann klar nach zwei Jahren hatte ich gelernt auch durch andere Musiker auf der Straße durch das spielen in Gruppen und das ständige üben auf der Straße.

S. Seit wann bist du hier?

F. Seit den 80ern.

S. Das ist lang…Nagut vielen Dank ich glaube das war es erstmals.

Im Anschluss an dieses Gespräch, das bereits über eine Stunde und achtzehn Minuten ging wurde ich von den beiden noch eingeladen zum Essen zu bleiben und habe mich bestimmt noch weitere anderthalb Stunden mit ihnen unterhalten.

Die Musik auf den unterirdischen Straßen Barcelonas // Metro und Master: ein Interview mit einer Musikerin der Metro//

Eigentlich ist sie für ihren Master nach Barcelona gekommen; Archäologie, doch die Freude am Entdecken verborgener Schätze, hat sich auf den unterirdischen Raum der Metro in Barcelona verlagert, der heute ihr Arbeitsplatz ist. Rike kommt ursprünglich aus Güstrow und ist vor zwei Jahren nach Barcelona gekommen um nach Beendigung ihres Bachelors in Deutschland, mit ihrem Master in Spanien zu beginnen. Ich treffe Rike auf einer der Versammlungen der AMUK. Eine autonome Assoziation, die sich auf einer demokratischen Basis organisiert und gemeinsam den Bereich der Metro bespielt. Da eine Kooperation mit der ATM (Autoritat del Transport Metropolita) besteht, müssen die Musiker nicht um ihre Musikinstrumente fürchten und werden auch nicht dem Platz verwiesen, vorausgesetzt sie können sich als Mitglied der AMUC ausweisen. Um Mitglied der Assoziation zu werden, müssen die Musiker im Regelfall vor einer Jury vorspielen und erhalten durch das Bestehen des Castings eine Mitgliedschaft. Auf regelmäßigen Treffen werden gemeinschaftlich Stundenpläne für die Musiker erstellt, die sie auf die insgesamt 38 festgelegten Punkte im zwei Stunden Takt, einteilt. Als ich am Montag den 24.11.2014 in das Bürgerzentrum Drassanes eintrete, um mir ein Organisationstreffen der AMUC anzusehen, stoße ich auf einen Raum voller Menschen, die durcheinander laufen, laut reden und Zettel in den Händen haben. Ein Mann mit einem Mikrofon scheint das Gewusel unter Kontrolle zu haben und ordnet mit seiner Stimme den Haufen. Noch bevor ich mich orientieren oder überhaupt den Raum ganz betreten kann, spricht mich ein Mann freundlich an und fragt mich, ob er mir helfen könne. Ich bin perplex da ich geplant hatte mich erstmals, wie gewohnt, ein bisschen unter die Leute zu mischen und anonym die Atmosphäre zu observieren. Ich fange an mich zu erklären und es braucht nur die Wort: Straßenmusik, Projekt und Uni und der Mann, der sich kurz als Ruben und Präsident der Organisation AMUC vorstellt, greift sich ein Mikrophon und fragt in die Menge wer Lust hätte ein paar Fragen zu beantworten. Es sind keine 5 Sekunden vergangen seit meiner Ankunft und schon stehe ich mit dem Präsidenten und vier anderen Mitgliedern, die mich fragend angucken auf der Terrasse. Ich muss schmunzeln über so viel unerwartetes Engagement und Organisation, ich habe dieses Treffen absolut unterschätzt. Rike ist eine der wenigen Frauen die ich sehe und die Einzige, die helle Haare hat. Sie wird mir von Ruben vorgestellt als er hört dass ich aus Hamburg komme. Perfekt, eine deutschsprachige Interviewpartnerin ist natürlich eine große Erleichterung. Ruben wuselt davon und kommt kurz darauf mit einem Papier, eine Einverständniserklärung zurück die regelt, dass ich keine Informationen veröffentliche solange sie nicht von der Organisation AMUC als korrekt abgesegnet worden sind, eine Vorsichtsmaßnahme. Zwischen den vielen internationalen Männern, die sich an diesem Platz tummeln, fällt Rike mit ihrer zierlichen Figur und den langen glatten, hellen Haaren und den hellen Augen ziemlich auf. Auffallen, das ist es auch was man im Musikbusiness in Barcelonas Metroschächten muss, sagt sie. Zunächst bei den Castings die einmal jährlich stattfinden und durch eine Jury, bestehend aus Professoren einer Musikschule, entscheiden wer gut genug ist um in der Metro zu spielen. Ca. 50 Neulinge kommen jedes Jahr dazu und doch ist die Anzahl an aktiven Musikern der AMUC seit 2001 gleich, immer etwa bei 80. Das liege daran, dass viele das Spielen in der Metro nur ausprobieren oder sich doch in andere Städte begeben oder die Metro nichts für sie ist. Wenn man das Casting einmal bestanden habe, sei es weiterhin wichtig sich besonders zu präsentieren um die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu ziehen. Ein besonderes Instrument oder eine besondere Musikrichtung sind hier empfehlenswert. Es gäbe beispielsweise die Asiaten, erzählt Rike, die ein Instrument aus ihrer Kultur mitgebracht hätten, welches hier so unbekannt sei, dass es natürlich die Aufmerksamkeit der Menschen anziehe und mit ihrer Aufmerksamkeit auch die Bereitwilligkeit zu zahlen. Natürlich sei es eine schwierige Situation in einem Raum zu spielen der eigentlich als Transitraum funktioniert und dafür ausgerichtet ist. Für Rike habe sich dieser Raum komplett geändert. Mit Metro verbinde sie nicht mehr Fortbewegung sondern Arbeit. Und diese Arbeit findet vier bis sechs Stunden am Tag statt wobei man den Platz wechseln muss. Dabei darf jeder Musiker denselben Platz nur zweimal in zwei Wochen für zwei Stunden nutzten, was nicht nur eine gerechte Verteilungen der guten bzw. gut besuchten Plätze gewährleistet sondern auch eine gewisse Abwechslung für die Passanten. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig um diese Verteilung der Plätze zu organisieren und in einer Liste festzughalten. Dafür werden die Musiker in einer gelosten Reihenfolge zu einer Liste gerufen um sich für eine Spieldauer von zwei Stunden an einen Ort einzutragen. Dieser Prozess wiederholt sich bis die Listen gefüllt sind wobei jeder Musiker über seine maximale Stundenanzahl selbst bestimmen kann. Rike erzählt von den Beschaffenheit der Plätze und sagt, sie würde beispielsweise die Station Passeig de Gracia bevorzugen, da hier weniger die einheimischen Menschen aus Barcelona dominieren sondern die Touristen. Dieses Verhältnis liegt wiederum an den Metrolinien, also der Infrastruktur. Die Station Passeig de Gracia ist gleichzeitig die Haltestelle des Airportbus und Umsteigemöglichkeit für Reisende zu Barcelonas Hauptbahnhof. Warum gerade Touristen interessant sind? Weil Rike mit ihrer Gitarre und ihrer Stimme Rock und Pop aus den 80ern, 90 ern und aktuellere Titel performt und das sei die Musik, die vor Allem Deutsche, Franzosen und Engländer ansprechen würde und nicht so sehr die Katalanen.

In der Metro zu spielen sei nicht leicht aber da sind diese besonderen Momente, die Rike ihre Barcelona-Metro-Momente nennt. Sie erzählt von einem kleinen Kind, welches mit seiner Mutter über eine Stunde zugehört hätte, in einem vollen Metrotunnel. Die Möglichkeit in anderen Menschen Emotionen hervorrufen zu können, würde jeden Stress und jedes fehlende Geld komprimieren. Anerkennung der Musik als legale Praktik und gern gesehene Aufwertung des öffentlichen Raumes, das ist die Zukunftsvision die Rike aber auch der Präsident Ruben haben. Wünschenswert wäre eine Erweiterung der Organisiation auf das überirdische Stadtgebiet, wo diese Organisation ursprünglich herkommt und ein einheitliches System, dass die Kunst in Straßen und Metro organisiert, nach dem autonomen Prinzip der AMUC. „Musik ist kein Verbrechen“ sagt Rike wörtlich doch genau das sei die Botschaft, die den Musikern durch Polizeirazzien und Verbote vermittelt würde. „Klar, eine Kontrolle ist wichtig sonst würde alles aus dem Ruder laufen“ sagt sie aber die Verhältnisse müssten sich ändern und die AMUC sei das beste funktionierende Beispiel. Eine Mischung aus Absicherung, Sozialem Netzwerk und Schichtplanung.

A l`ecoute de l’environnement

A l’ecoute de l’environnement ( Jean- Francois Augoyard und Henry Torgue )

Erinnerung (Seite 21 + 22)

Auf der Seite 21 und 22 des oben genannten Buches beschäftigen sich die französischen Autoren mit der Frage, welche Rolle das Thema Erinnerungen in dem Gesamtkonzept der Effekte von Tönen, einnimmt. Es geht um Reminiszenz und Amnese und die Tatsache, dass ein Signal- oder Tonkontext in einem Zuhörer die Erinnerung an eine vergangene Situation oder Atmosphäre provozieren. Dadurch entsteht eine Verbindung von Wahrnehmung und Erinnerung. Ein Moment, in dem der Zuhörer die Zeiten durchkreuzt indem er mentale Bilder zusammenfügt und so ein neues Bewusstsein schafft, die eine persönliche Erinnerung beinhaltet (…) „..sans autre volonté que le libre jeu des associations“ ( Augoyard, Torgue 1995 : 22) was ins Deutsche übersetzt ungefähr bedeutet : ohne einen anderen Willen als das freie Spiel der Assoziationen.

Iris: historische Bar, Treffpunkt von Musikern und Manu Chaos sporadische Bühne

Iris, das bedeutet Regenbogen und ist gleichzeitig eine Bar in der sich Manu Chao von Zeit zu Zeit an einer Musik Jam beteiligt. Es ist Mittwoch der 3.12 und ich bin trete in eine kleine, sehr helle und einfach möblierte Bar ein. Hinter der Bar steht eine junge Frau und ein Junge der vielleicht grad mal achtzehn Jahre alt ist. Im Laufe des Abends würde sich die Besetzung der Bar noch öfter wechseln, zwischen Oma, Sohn, Enkelsohn, Freundin. Die Iris-Bar ist eine richtige Familienbar. Der Rotwein kostet 1,- € pro Glas und man kann große 1 Liter Flaschen Bier bestellen die dann pro Tisch geteilt werden. Im hinteren Teil der Bar nehmen ungefähr 8 Musiker den Platz um den großen Tisch ein. An der Wand über dem Tisch hängt ein in Holz gerahmter Zeitungsausschnitt auf dem Manu Chao zu sehen ist. Es spielen zwei Gitarren, eine Violine, eine Flöte, ein Kontrabass, zwei Trommeln und ein Sänger. Sie spielen spanische Stücke und andere Klassiker aber auch unbekannte katalanische Stücke. Der Sänger fängt an eine Melodie anzustimmen und die Gitarre steigt mit ein. Die Trommeln geben den Rhythmus und der Kontrabass tritt bei dem ganzen Tumult schnell in den Hintergrund und tritt erst durch seine Soli wieder in mein Bewusstsein als Zuhörerin. Die Violine interessiert mich besonders da ich auch seit vielen Jahre Geige spiele, allerdings klassische Stücke und mit Noten. Das ist eine ganz andere Welt als diese Improvisation. Ich denke mir es kann nicht so schwer sein und nehme das Angebot des Violinisten an, einmal seine Geige zu spielen. Dann geht es los Guantanamera. Ich versuche leise mit zuspielen und es ist nicht so einfach wie ich gedacht hätte. Ich möchte einfach losspielen so wie alle anderen aber stattdessen muss ich über Tonarten, Noten, Rhythmen nachdenken und mich fragen welche Tonart das wohl grad ist. Am Ende schaffe ich es mich einigermaßen einzufädeln in das Netz aus Musik und Gesang aber ich gebe die Geige lieber wieder ab und nehme mein Weinglas, einen Löffel und spiele die Clave. Das ist einfacher und ich kann die Musik so viel besser genießen. Von acht bis zehn Uhr wird gespielt, getrunken und gegessen und dann schnappt sich eine Brasilianerin aus dem Publikum die Gitarre und singt portugiesische Lieder die so besonders sind, dass die ganze Bar ruhig wird und sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gäste auf Sie und ihre besonders ausdrucksstarke Stimme konzentriert. Ich bin in diesem Moment in einem Gespräch mit einem portugiesischen Musiker. Wir reden über Fado als er die Musik hört entschuldigt er sich und läuft aufgeregt zu seiner Trommel mit den Worten: Das ist meine Musik, das muss ich unterstützen. Er nimmt Augenkontakt mit der Frau auf und fängt vorsichtig an zu spielen. Erst leise und suchend bis er einen Rhythmus gefunden hat der mit dem Gesang zusammen passt. Es ist eine sehr schöne Kombination und die Menschen in der Bar zücken ihre Kameras. Anschließend begebe ich mich zu der Bar und spreche die alte Frau an. Ich möchte wissen, was es mit der Bar auf sich hat und ob es wahr ist, dass sie schließen soll. Sie hat ein breites Lächeln auf den Lippen und wird während unseres Gespräches andauernd liebevoll von ihrem Enkel in die Seite gestupst oder auf die Wange geküsst. Sehr stolz erzählt sie mir, dass sie jetzt seit 53 Jahren in dieser Bar arbeitet aber es habe sich viel verändert. Früher habe sie vormittags gekocht und mittags seien die Fabrikarbeiter von der Lampenfabrik gekommen und haben gegessen. Jeden Tag, das war das Geschäft. Heute hat sich das Geschäft auf abends verlagert aber die Tradition mit den günstigen Getränken hätten sie beibehalten. Und Manu Chao? Frage ich. Ja der wohne gegenüber und sei der Freund ihres Sohnes. So sei es dazu gekommen, dass er öfter zum spielen rüber gekommen sei und jetzt hat dieses Spielen und zusammen musizieren eine Tradition. Jeden Mittwoch und Freitag von 20:00 – 23:00 Uhr findet die sogenannte Jam statt. Hinter dem Gerücht das die Bar schließen würde stecke eine ernüchternde Wahrheit und zwar die familiären Umstände: sie und ihr Mann seien zu alt und die Kinder würden andere Sachen machen. Das rentiert sich nicht und so verliert Barcelona ab Januar 2015 eine ihrer alten Läden und die Musiker einen Treffpunkt zum musizieren. Auf dem Weg nachhause begleitet mich ein französischer Gitarrist der anfängt den Weg mit französischen Chansons zu versüßen, als er hört, dass ich George Brassens sehr gerne höre.

Polizei, Gewalt und Frustration

„…Mit viel Gewalt. Sie kommen frustriert und denken nicht nach sondern werden ihren Frust los auf verschiedenste Weise: Sie lachen über einen…das ist total verrückt… und deshalb bin ich auch so aufgebracht und deswegen bin ich hier um dir dieses Interview zu geben…. Deshalb erzähle ich dir das alles, weil langsam verstanden werden muss, dass diese Menschen belehrt werden müssen weil wirklich, dass was sie machen ist nicht gut von keinem Gesichtspunkt aus. Nicht als Vertreter des Gesetzes, nicht auf sozialer Ebene, nicht als Individuum. ich meine, das sind Personen die vergessen, dass sie Personen sind (……)“

Der Auszug stammt aus einem Interview, dass ich vor zwei Tagen mit einem Musiker ohne Lizenz geführt habe. Er konnte mir viel über die Aggressivität der Polizisten gegenüber den Musikern erzählen und wie Lücken im Gesetz dazu führen, dass Polizisten freie Hand gegen Musiker haben. Das wiederum führt zu Gewalt, Aufständen, Geldstrafen und dem Verbrennen von Musikinstrumenten. Ich anonymisiere an dieser Stelle alle Namen.

Patrick spielt seit 5 Jahren in Barcelona und genauso viele Geldstrafen hat er auch schon bekommen. Außerdem wurde ihm schon zweimal das Instrument von der Polizei weggenommen. Warum? Die amtliche Begründung lautet: Besetzung öffentlichen Raumes, Belästigung, Beleidigung eines Polizisten, Straßenmusik mit Percussion und Verstärker ( obwohl es sich um einen Gitarristen handelt) oder einfach: Belästigung. Das Musizieren ist in Barcelona eigentlich erlaubt doch auf diese Weise kann das Musizieren mit einer anderen Gesetzgebung, nämlich der Gesetzgebung für den öffentlichen Raum, behandelt und bestraft werden.

Patrick erzählt mir von viel Gewaltbereitschaft der Polizei gegenüber den Musikern und der Machtlosigkeit der Musiker selbst. Einmal habe ihm ein Polizist die Gitarre enteignet obwohl er nur auf einem Platz auf einen Freund gewartet habe, ohne dass die Gitarre überhaupt den Kasten verlassen hätte. Das Argument der Polizei: Belästigung und Besetzung des öffentlichen Raumes.

Knapp 200,- € kostet es, sein Instrument von der Polizei zurück zu kaufen, die Geldstrafe für absichtliches Besetzen öffentlichen Raumes, mit inbegriffen.

Nicht alle kaufen ihre Instrumente zurück denn diese sind meist weit weniger wert als die Ablösesumme. Deshalb verfügt die Polizei nun über eine ganze Ansammlung von Instrumenten jeder Art, Patrick erzählt wie er einmal in diesen Raum gucken durfte als er sein Instrument gesucht hat „Alles, was du dir vorstellen kannst, bis zur Decke! Saxophone, Gitarren, Cajon….alles!“

Und was passiert mit den Instrumenten? Die werden verbrannt oder an Institutionen verschenkt…für einen sozialen Zweck. Ein bisschen Sarkastisch diese Verhältnisse und sarkastisch sei auch das Verhalten der Polizisten gegenüber den Musikern. Es gäbe einen Polizisten, der würde immer mit einem Lächeln auf ihn zukommen, ihm versichern diesmal gäbe es keine Strafe und er würde ihm auch das Instrument nicht wegnehmen. Er bräuchte nur seine Identifikationspapiere. Klar weiß Patrick schon, dass das alles nur erfunden ist aber was soll er machen? Einmal hat er es erlebt als er und seine Freunde sich gewehrt haben, dass die Polizisten einfach Verstärkung holen und das Kommando zum zuschlagen bekommen, dann fangen sie an mit den Stöcken auf die Menschen einzuschlagen. Egal ob Mann oder Frau. Das ist eine extreme Situation aber Handgreiflichkeit ist fast immer im Spiel. Patrick meint, das Problem liege bei der Frustration der Polizisten und in der schlechten Selektion, wer psychisch im Stande sei, Polizist zu werden. Eine Verbesserung der Einstellungskriterien der Guardia Urbana, die als einzige Guarde, sehr weit gefasste Einstellungskriterien hat, würde helfen.

Das Gespräch mit Patrick zeigte, dass das Thema Straßenmusik ein wachsender Teil der Stadt ist, der für viele essentielle zum Überleben ist und für andere essentiell das Gesicht dieser Stadt mit charakterisiert. Doch dieses wachsende Medium wird von dem Staat weder ernst genommen noch eingebunden in Gesetzgebungen. Daraus resultiert ein sich zuspitzende und zunehmend gewaltsam werdender Diskurs zwischen Musikern und Polizisten.