Interview 3// Emanuel // Musiker ohne Lizenz

Gespräch mit Emanuel und seinem Freund Emanuel 😉
Aufgrund der gleichen Namen habe ich folgende Kürzel benutzt:
E: Emanuel
F: Freund von Emanuel
S: Sophia

E. Es ist sehr schwer eine Lizenz zu bekommen.

S. Und dort auf dem Monjuic wo ich dich gesehen habe, dort kommt die Polizei nicht hin?

E. Naja letztens haben sie mich verwarnt. Also es gibt viele Diebe dort auf dem Monjuic und deswegen ist die Polizei eher beschäftigt mit diesen Räubern als mit den Musikern. Es ist eigentlich so, wenn die Polizei nichts zu tun hat, beschäftigt sie sich mit den Musikern.

S. Ja? Aber die Polizisten laufen nicht so viel hier habe ich das Gefühl. Das heißt,sie kommen nicht so gut an die Plätze wo Musiker spielen.

F. Doch finde ich schon. Mit ihren Motorrädern, Autos, zu fuß und oft kommen sie auch getarnt als Passanten mit zwei Rucksäcken oderso.

E. Seit einer Woche spiele ich jetzt dort an der Stelle wo du mich gesehen hast. Vorher war ich weiter unten auf einem großen Platz bis die Polizisten mich gefasst haben. Deswegen habe ich gewechselt. Ich habe aber vorher schon an vielen anderen Plätzen in Barcelona gespielt. Als sie mich gesehen haben saß ich auf dem Platz mit den Fontänen am Anfang vom Montjuic, extra so, dass man mich von der Seite von der die Polizisten kommen nicht sieht. Naja…

S. Und deine Motivation auf der Straße zu musizieren? Geld ? Die Musik? Was war zuerst da?

M. Also ich spiele weil es mir Spaß macht und natürlich wegen dem Geld aber auch weil es mir Spaß macht…ich mag die Leute und ich möchte etwas Schönes dem Ort hinzuzufügen. Ich will nicht stören. Außerdem tue ich es für mich selber, wenn das nicht so wäre, würde ich etwas anderes verkaufen…

S. Und warst du bereits in anderen Städten zum spielen?

E. Ja.

S. Welchen Unterschied gibt es?

E. Also in Europa war ich nur in Spanien. Und eigentlich passiert ein bisschen an allen Orten das gleich: das es immer mehr verboten wird. Wegen dem Geld…aber wenn sie alles verbieten, gibt es Probleme, dass regt die Leute auf. Manchmal sind sie auch hinter den Musikern her, nehmen dir die Sachen weg und die Gitarre. Also in Spanien lassen sie dich für alles büßen, die sind hinter dem Geld her. Alles wird verboten und mit Bißen bestraft, dass gibt Geld. In Argentinien ist das zum Beispiel anders. Da darfst du in den Straßen Alkohol trinken, Musik spielen und so weiter.

S. Wo genau?

E. Im Süden von Argentinien, in Badaloni

S. Als Musiker observierst du bestimmt die Menschen um dich. Wie reagieren sie? Wie veränderst du mit deiner Anwesenheit den Ort?

E. Klar es gibt Menschen die haben ein musikalisches Gehör, denen gefällt Musik im allgemeinen und wieder anderen gefällt andere Musik.- weil meine Musik ist ja sehr ruhig.

F. Ja, ich glaube das hängt viel mit der Art der Musik zusammen. Ich spiele jetzt seit vierzehn oder fünfzehn Jahren in der Straße und wenn ich selber durch die Straßen gehe, sehe ich manchmal Gruppen die spielen aber ich kann nicht anhalten weil ich keine Zeit oder kein Geld habe. Aber ich kenne die Situation aus eigener Erfahrung: Du spielst in der Straße weil du kein Geld hast und dann hält keiner an, keiner gibt Geld…das ist blöd.

E. Ja und das ist das Gute an den Touristen bei der Sagrada Familia oder dem Montjuic. Die haben alle Zeit der Welt. Die Menschen die hier leben sind es nicht die anhalten, die sehen die Musik jeden Tag und sind schon gelangweilt. Eine Sache ist auch in der Metro, mir gefällt es nicht sonderlich in der Metro zu spielen, man braucht eine Erlaubnis und muss ein Examen machen.

S. In der Metro gibt es auch Lizenzen?

E. Ja, man muss zu einem Ort gehen wo man ein Casting macht und dann die Lizenz bekommt, die teilen dich ein und sagen dir wann du wo spielen darfst. Aber es gefällt mir nicht.

S. Es ist nicht der beste Ort um Musik zu machen, oder?

E. Nein es findet so viel Austausch statt in der Metro, für mein Instrument ist das nichts. Wenn ich die Leute in der U-Bahn spielen sehe, haben sie meist nur ein oder zwei Themen (Lieder). Das ist sehr traurig finde ich.

S. Es geht denen nicht um die Musik…

E. Nein aber sie quälen sich selbst und natürlich geht es um das Geld aber und wenn du davon lebst, dann brauchst du auch Geld und das ist eine Sache mit dem Geld….sehr unstetig. Es gibt keine Methode … manchmal gehst du und verdienst 100 € und..und… du denkst dir meine Güte, Wow, 100 € und manchmal sind es nur 20 €. Das ist immer unterschiedlich und du weißt nicht warum oder wann….ja.

S. Also wenn die U-Bahn nicht dein Ort zum spielen ist, wie wählst du in einer Stadt deinen Platz zum spielen aus…..von was hängt ein guter Platz ab?

E. Die Akustik natürlich. Das Gebiet um die Kathedrale mit den gotischen Gebäuden, das ist toll….besonders für klassische Musik. Aber auch an den Ramblas ist es toll. Da bei der Kirchen…da sind immer viele Paare (lacht).

S. Wenn du in einer neue Stadt kommst, wie würdest du einen Platz zum spielen suchen?

E. Also ich war in Granada lange und ich würde mich schon zuerst an den Touristen orientieren und suche nach Touristenatraktionen. Aber genauso würde ich andere Musiker fragen die ich auf der Straße sehe. Auch auf den Plätzen wo viele Cafés sind, spiele ich manchmal. Da kann man nur nicht lange spielen weil dann der nächste kommt und sagt: ey jetzt bin ich mal dran.

F. Und die Nachbarn..

E. Ja, die Nachbarn. Wenn man zu lange spielt kommen sie runter und rufen die Polizei

S. Ist es in Gracia (Stadtteil in Barcelona) auch verboten zu spielen?

E. Ja, überall.

F. Sie spielen trotzdem und manchmal kommt die Polizei und manchmal nicht

E. meistens kommen sie nur wenn jemand sie anruft. Es gibt Leute die sagen nichts und rufen einfach die Polizei..manche stört es einfach, die Musik oder das man seine CDs verkauft und nichts bezahlt sondern Geld macht. Andere zahlen viel Geld um sich einen Laden leisten zu können in dem sie dann verkaufen.

F. Ja und stell dir vor in Gracia gibt es 7 Plätze oder 8 und dann kommt einer und der nächste und der nächste und eine Gruppe. Vor einigen Jahren war es so und die Nachbarn haben gesagt, jetzt reicht’s. Und in der Rambla Catalunya, kennst du die? Da ist das “Büro“ aller Musiker in Barcelona (lacht)damit meine ich, dass sie sich dort sammeln weil es viele Terrassen bzw. Plätze mit Cafés gibt und es gab eine Zeit, da waren es so viel – und dann die ganzen Roma mit ihrem Akkordeon, dass du nicht mehr spielen konntest und dann haben sie es verboten. Zunächst haben sie nur einen Stundenplan bis um 23 Uhr gemacht, dann bis 21 Uhr und dann haben sie alles verboten.

S. Seit wann ist das so?

F. Also jetzt spielen sie schon wieder dort in der Rambla Catalunya. Saxophon, Gitarre, Gruppen, einige tanzen sogar Tango. Und damals sind dann die Roma gekommen bevor es verboten wurde und haben auch gespielt, die ganze Zeit, immer die gleichen Stücke und du siehst auf der nächsten Bank schon einen sitzen der wartet um als Nächster zu spielen. Ja irgendwann hatten die Anwohner genug und sie haben alles verboten.

S. Aber sie wollen es verändern im Januar. Vielleicht privatisieren sie es…

E. In Deutschland ist das so….in München. Du musst bezahlen.

S. Aber es geht auch anders. In Havanna wird es so gemacht. Die Musiker haben eine Art Job bei der Stadt, bekommen Geld von der Stadt und werden zum Spielen in der Straße eingeteilt…

F. Dann musst du nicht betteln…aber hier bezahlen sie nicht.

E. Aber die Leute gehen in die Straße weil man mehr verdient. Du verdienst mehr in der Straße als in irgendeiner Bar oderso. Weil die dich nicht richtig bezahlen.

S. Echt?

F. Sie geben schon Geld aber immer weniger. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das verändert… Es gibt immer weniger Bars die Musik Live anbieten und immer mehr Musiker. Die Anzahl der Bars, das Doppelte an Musikern und ein Viertel an Geld. Also sagen sie: Wir geben dir ein belegtes Brot und ein Bier und 20 € und dann musst du die Anfahrt und alles bezahlen.

E. Aber dann verteilen sie auch in den Bars Strafen.

F. Ja ich habe einen Freund der ist so pleitegegangen. Auf den kanarischen Inseln. Er war arbeitslos und hat von seinem Arbeitgeber noch ein Arbeitslosengeld bekommen. Dann hat er in einer Bar gespielt und wurde von der Polizei überprüft und die Sache ist, dass du als Arbeitsloser der Geld bezieht nicht spielen darfst. Und dann nehmen sie dir das Arbeitslosengeld. Im ernst ich mache keine Späße. Dann kriegt die Bar eine Strafzahlung weil sie einen Musiker ohne Vertrag spielen gelassen
Und hier ist es so dass die Bars ein Messgerät für die Lautstärke besitzen welches mit dem Computer des Rathauses verbunden ist und um 23 Uhr drosselt dieser Computer das Volumen und um 24 Uhr nochmal und wenn dann ab 2 Uhr am Morgen noch Musik läuft die lauter ist als die vorgegeben Lautstärke, gibt es eine Strafzahlung für diese Bar. Also ist das Volumen der Bar direkt mit dem Rathaus verbunden und diese senken das Volumen. Diese ganze Einrichtung hat natürlich auch viel Geld gekostet.

E. Eine andere Option ist natürlich in der Metro also in den Zügen zu spielen.

F. Aber das ist verboten

E. Klar, es ist verboten. Ich habe mal eine Zeit da gespielt aber es hat mir nicht sonderlich gefallen. Klar wenn sie dich sehen kann es eine Strafe geben, es ist verboten. Da muss man aufpassen. Aber die Musiker in der Metro organisieren sich auch, es gibt eine Schlange. Die Musiker sitzen und warten bis sie dran sind. Wenn ein Zug kommt, steigt einer ein, spielt 15 min. bis zu einer bestimmten Station in verschiedenen Wagons und steigt dann aus und wartet. Dann ist der nächste dran. Als ich neu war ist mir das passiert. Ich bin gekommen und die haben mich gesehen und : Ey, ey was ist los? Was macht der da? Eye ey komm mal her! Haben sie gerufen und dann haben sie mir erklärt, dass ich mich in die Schlange stellen muss. Das ist auch damit man sich nicht in einem Wagon trifft. Ich frage mich warum sie es nicht in den Autobussen machen. In Argentinien machen sie das. Aber hier nicht.

S. Und wie ist der räumliche Unterschied zwischen Konzert und Straße? Du hast keinen Off-Raum. Fühlt man das?

F. Gut also ich glaube das ist unterschiedlich weil es gibt Gruppen in Barcelona, vor Allem im Sommer, in Barceloneta und am Strand, die viel Publikum haben und zum Beispiel Salsa spielen und Rumba mit vielen Rhythmusinstrumenten wie der Cachon. Ich habe auch in solchen Gruppen gespielt aber nicht ganz so groß nur ungefähr mit fünf Leuten. Klar und der erste Unterschied ist die Tageszeit. Du spielst am Tag und nicht abends oder nachts. Dann klar, du musst viel vorbereiten und auch das Programm wird anders zusammengestellt. Weil auf der Straße kannst du ja nicht ein langes Programm spielst sondern ein kurzes ca. 15 min. Programm und das wiederholst du dann. Weil wenn du zum Beispiel im Park Guell spielst von 12:00-15:00 Uhr, kannst du nicht ein einziges Programm spielen. Das sind drei Stunden. Außerdem brauchst du Pausen um dich auszuruhen und zu warten bis die Zuschauer gewechselt haben.

E. Also für mich ist es so: wenn ich auf der Straße spiele ist das eher als würde ich in meinem Zimmer üben. In einer Bar zum Beispiel bei einem Konzert ist die Energie ganz anders, viel komprimierter. Die Leute erwarten etwas und gucken dich alle an. Die Verantwortung ist eine andere. Mir gefällt es zum Beispiel auch nicht in der Straße zu singen. Wenn ich Konzerte gebe singe ich aber wenn ich in der Straße spiele singe ich nicht.

S. Und wie funktioniert die Kommunikation zwischen Musiker und Passant?

F. Das ist auch eine Arbeit. Da hast du Recht. Also einige kommunizieren gar nicht, spielen einfach und nehmen das Geld für die CDs entgegen. Aber andere kommunizieren mit den Passanten, animieren sie, zeigen dass die Show zuende ist damit neue Leute kommen können.

S. Das ist eine Nonverbale Sprache oder?

F. Ja nonverbal.

S. Und eine andere Kommunikation ist ja die Musik. Kannst du sagen wie die Leute auf bestimmte Songs reagieren? Also gibt es Songs bei denen die Leute bleiben und Geld geben?

E. Klar. Wenn ich anfange…(singt die ersten Töne der Carmen Suite) dann bleiben sie stehen und hören. Also ich habe beispielsweise ein Repertoire von 1,5 Stunden und zwischendurch spiele ich diese Lieder wie Carmen. Bzw. die drei bei denen ich mir sicher bin, dass sie funktionieren. Das ist verrückt manche Lieder haben nichts besonderes „Round midnight“ zum Beispiel. Ein richtiger Ohrwurm. Also da gefällt mir der Tango besser.

S. Piazolla…

E. Genau. Es funktioniert also spiele ich innerhalb dieser anderthalb Stunde Programm mindestens dreimal die drei Stücke die funktionieren. Das merkt ja keiner. Du kannst die Lieder auf der Liste sehen, die ich spiele (hält mir seine CD vor die Nase)

S. Ja, die kenne ich. Hab` beide von dir gekauft.

E. beide hast du? Du bist ja ein richtiger Fan…

S. Genau.

E. Ich gehe immer diese Liste durch wenn ich spiele obwohl ich noch mehr Stücke habe, die nicht auf der Liste sind. Die Liste habe ich im Kopf…hier siehst du 16 und insgesamt sind es 36 Stücke. Da sind die drei Lieder : Alfons y el mar, volver und carmen. Das gute an Tango ist, dass auch wenn die Menschen das Stück nicht kennen der Tango eine besondere Charakteristik hat die die Leute anspricht und die jeder als Tango wiedererkennt.

F. Welcher ist der Tango? Das letzte?

E. Ja, des letzte ist Piazolla. Nummer 16.

F. Spielst du ein Instrument, Sophia?

S. ja, Violine aber nur klassisch, was eigentlich schade ist.

F. Als Kind habe ich auch Violine gespielt.

S. Wie schön. Darf ich noch eine Frage stellen?

E. und F. ja ja!

S. Was wäre Barcelona ohne Musik, was gibt diese Straßenmusik der Stadt?

F. Ja die Musik gibt der Straße erst ihr Leben, Sie vitalisiert die Straße. Du kannst so viel sehe. Manche spielen mit Marionetten, manche spielen Musik, Tanz…so viel. Aber die Musik und die Kunst die in den Straßen stattfindet gibt ihr ein Leben, eine Farbe und klar ohne dieses wäre es viel….viel…langweiliger oder monoton oder farblos. Vielleicht auch kälter vom Ambiente und eintöniger. Klar das Ambiente hängt auch immer von der Musik ab. Ob sie Klassik oder Jazz oder Salsa und andere karibische Musik spielen oder Tango. Und ich denke das der größte Unterschied zwischen klassischer und anderer Musik wie Jazz und Rock besteht. Früher gab es auch mehr Klassik in der Straße…viele Russen, und andere aus dem Osten hinter dem Vorhang. 1989 war es glaub ich ungefähr, kamen viele Russen und viele die klassische Musik gemacht haben. Sehr gute Musiker alleine oder in Gruppen. Immer gut angezogen. Da haben viele gerne zugehört. Deswegen sage ich, dass es sehr darauf ankommt wer spielt und wann und welche Stücke. Das letzte mal, dass ich mit einer Gruppe in der Straße gespielt habe war mit ein paar Mexikanern.

S. Und wie findest du diese Menschen, wie finden die Gruppen zusammen?

F. Mich hatte ein Freund angerufen der keine Zeit hatte und normalerweise mit dieser Gruppe spielt.
Die Leute in der Gruppe waren alle ziemlich jung. Der Kontrabassist war 23. Und dann ging es los: erst Park Guell zum nächsten Spot und zum nächsten und ich mit meinen Perkussionsinstrumenten. Woahh das war anstrengend. Wir waren ein Saxophonist, ein Kontrabass, eine Posaune, ein Sänger und ein oder zwei Percussionspieler. Klar, wenn du singst brauchst du Pausen und musst aufpassen und die spielen bei Regen, Wind und Hitze. Deswegen muss die Show fokussiert sattfinden. Am Anfang gleich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen damit die Leute animiert sind Cds zu kaufen, Geld zu geben weil natürlich 20 min. für 6 Musiker, da kommen für jeden 20€ raus wenn es gut klappt. Der Sänger kann dieses Programm vielleicht viermal durchziehen und danach fehlt ihm die Stimme…deshalb ist es wichtig die Shows kurz und explosiv zu machen. Deswegen muss man sehr sympathisch sein, viel Show machen und die Leute direkt ansprechen. Und im Gegensatz dazu die klassischen Instrumente, da tanzt keiner, das ist eher eine ruhige Stimmung. Die Leute kommen und setzen sich und hören zu. Deshalb meinte ich es kommt darauf an welche Instrumente und welche Zusammensetzung damit ändert sich auch das Ambiente.

S. Was wäre denn die Zukunft der Straßenmusik für dich in Barcelona?

F. Also mhhh schwer.

S. Kann Straßenmusik als offen zugängliche Kunst gesehen werden?

F. Klar, du kannst hier Dinge sehen ohne in ein Konzert zu gehen und sogar Dinge die du nicht in einem Konzert sehen würdest. Aber ich weiß nicht (Pause) die Zukunft also ich hoffe, das sie nicht mehr verbieten und es besser wird weil es langsam langweilig wird. Die Musiker sind immer die gleichen. Und dann ist auch ein Problem, dass manche Musiker behaupten, ein Platz gehöre ihnen. Im Park Guell gibt es so ein paar gute Plätze wo man gut verdient. Und da habe ich es einmal gesehen. Einer der meinte der Platz gehöre ihm, er spiele immer hier. Das kann ja nicht sein. Der Ort gehört keinem.

E. Das ist mir auch mal in Gracia passiert mit den Afrikanern. Und ich kam zum spielen und einer der Afrikaner stand schon in einer Ecke. Dann habe ich mich hingesetzt und einer kam und meinte ich kann hier nicht spielen weil das sein Platz ist. Die haben sich da alles organisiert. Montag der eine, Dienstag der nächste in der einen und dann in der anderen Ecke. Keine Ahnung ob das eine Mafia ist (lacht) keine Ahnung wie das funktioniert.

F. Bestimmt eine Person die Menschen nach Europa bringt und die hier spielen lässt.

E. Vielleicht verdienen die 15 € pro Session und müssen dann einen Teil abgeben. Ich weiß es nicht aber irgendwas ist da.

F. Es gibt auch Trends. Zum Beispiel vor einigen Jahren die Djembe. Da haben auf einmal viele Djembe gespielt. Viele Italiener.

S. Keine Afrikaner?

F. Nein Italiener. Die waren auch nicht gut. Aber klar, da war für die Mode…

F. In der Zeit haben sie dann alle Percussionsinstrumente in Barcelona verboten. In Barceloneta und am Strand nicht weil es da nicht viele Anwohner gibt oder der Raum breiter ist. Es gibt halt zwei drei Punkte an denen es keine Nachbarn gibt.

S. Aber du spielst doch Percussion…

F. Ja ich spiele alleine nur Steeldrum und Percussion ist eher Schlagzeug und so. An der Porta de Angel gibt es eine Gruppe die eine Erlaubnis hat und einen Stundenplan. Das hat natürlich auch einen Grund. Stell dir vor jemand arbeitet in der Nacht und kommt nachhause um zu schlafen und um 10 Uhr morgens fängt ein Schlagzeug an…

F. Emanuel hat ja Gitarre studiert in Argentinien aber ich bin gekommen und konnte fast nichts. Und habe mit zwei oder drei Liedern angefangen und dann klar nach zwei Jahren hatte ich gelernt auch durch andere Musiker auf der Straße durch das spielen in Gruppen und das ständige üben auf der Straße.

S. Seit wann bist du hier?

F. Seit den 80ern.

S. Das ist lang…Nagut vielen Dank ich glaube das war es erstmals.

Im Anschluss an dieses Gespräch, das bereits über eine Stunde und achtzehn Minuten ging wurde ich von den beiden noch eingeladen zum Essen zu bleiben und habe mich bestimmt noch weitere anderthalb Stunden mit ihnen unterhalten.

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