Iris: historische Bar, Treffpunkt von Musikern und Manu Chaos sporadische Bühne

Iris, das bedeutet Regenbogen und ist gleichzeitig eine Bar in der sich Manu Chao von Zeit zu Zeit an einer Musik Jam beteiligt. Es ist Mittwoch der 3.12 und ich bin trete in eine kleine, sehr helle und einfach möblierte Bar ein. Hinter der Bar steht eine junge Frau und ein Junge der vielleicht grad mal achtzehn Jahre alt ist. Im Laufe des Abends würde sich die Besetzung der Bar noch öfter wechseln, zwischen Oma, Sohn, Enkelsohn, Freundin. Die Iris-Bar ist eine richtige Familienbar. Der Rotwein kostet 1,- € pro Glas und man kann große 1 Liter Flaschen Bier bestellen die dann pro Tisch geteilt werden. Im hinteren Teil der Bar nehmen ungefähr 8 Musiker den Platz um den großen Tisch ein. An der Wand über dem Tisch hängt ein in Holz gerahmter Zeitungsausschnitt auf dem Manu Chao zu sehen ist. Es spielen zwei Gitarren, eine Violine, eine Flöte, ein Kontrabass, zwei Trommeln und ein Sänger. Sie spielen spanische Stücke und andere Klassiker aber auch unbekannte katalanische Stücke. Der Sänger fängt an eine Melodie anzustimmen und die Gitarre steigt mit ein. Die Trommeln geben den Rhythmus und der Kontrabass tritt bei dem ganzen Tumult schnell in den Hintergrund und tritt erst durch seine Soli wieder in mein Bewusstsein als Zuhörerin. Die Violine interessiert mich besonders da ich auch seit vielen Jahre Geige spiele, allerdings klassische Stücke und mit Noten. Das ist eine ganz andere Welt als diese Improvisation. Ich denke mir es kann nicht so schwer sein und nehme das Angebot des Violinisten an, einmal seine Geige zu spielen. Dann geht es los Guantanamera. Ich versuche leise mit zuspielen und es ist nicht so einfach wie ich gedacht hätte. Ich möchte einfach losspielen so wie alle anderen aber stattdessen muss ich über Tonarten, Noten, Rhythmen nachdenken und mich fragen welche Tonart das wohl grad ist. Am Ende schaffe ich es mich einigermaßen einzufädeln in das Netz aus Musik und Gesang aber ich gebe die Geige lieber wieder ab und nehme mein Weinglas, einen Löffel und spiele die Clave. Das ist einfacher und ich kann die Musik so viel besser genießen. Von acht bis zehn Uhr wird gespielt, getrunken und gegessen und dann schnappt sich eine Brasilianerin aus dem Publikum die Gitarre und singt portugiesische Lieder die so besonders sind, dass die ganze Bar ruhig wird und sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gäste auf Sie und ihre besonders ausdrucksstarke Stimme konzentriert. Ich bin in diesem Moment in einem Gespräch mit einem portugiesischen Musiker. Wir reden über Fado als er die Musik hört entschuldigt er sich und läuft aufgeregt zu seiner Trommel mit den Worten: Das ist meine Musik, das muss ich unterstützen. Er nimmt Augenkontakt mit der Frau auf und fängt vorsichtig an zu spielen. Erst leise und suchend bis er einen Rhythmus gefunden hat der mit dem Gesang zusammen passt. Es ist eine sehr schöne Kombination und die Menschen in der Bar zücken ihre Kameras. Anschließend begebe ich mich zu der Bar und spreche die alte Frau an. Ich möchte wissen, was es mit der Bar auf sich hat und ob es wahr ist, dass sie schließen soll. Sie hat ein breites Lächeln auf den Lippen und wird während unseres Gespräches andauernd liebevoll von ihrem Enkel in die Seite gestupst oder auf die Wange geküsst. Sehr stolz erzählt sie mir, dass sie jetzt seit 53 Jahren in dieser Bar arbeitet aber es habe sich viel verändert. Früher habe sie vormittags gekocht und mittags seien die Fabrikarbeiter von der Lampenfabrik gekommen und haben gegessen. Jeden Tag, das war das Geschäft. Heute hat sich das Geschäft auf abends verlagert aber die Tradition mit den günstigen Getränken hätten sie beibehalten. Und Manu Chao? Frage ich. Ja der wohne gegenüber und sei der Freund ihres Sohnes. So sei es dazu gekommen, dass er öfter zum spielen rüber gekommen sei und jetzt hat dieses Spielen und zusammen musizieren eine Tradition. Jeden Mittwoch und Freitag von 20:00 – 23:00 Uhr findet die sogenannte Jam statt. Hinter dem Gerücht das die Bar schließen würde stecke eine ernüchternde Wahrheit und zwar die familiären Umstände: sie und ihr Mann seien zu alt und die Kinder würden andere Sachen machen. Das rentiert sich nicht und so verliert Barcelona ab Januar 2015 eine ihrer alten Läden und die Musiker einen Treffpunkt zum musizieren. Auf dem Weg nachhause begleitet mich ein französischer Gitarrist der anfängt den Weg mit französischen Chansons zu versüßen, als er hört, dass ich George Brassens sehr gerne höre.

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