Polizei, Gewalt und Frustration

„…Mit viel Gewalt. Sie kommen frustriert und denken nicht nach sondern werden ihren Frust los auf verschiedenste Weise: Sie lachen über einen…das ist total verrückt… und deshalb bin ich auch so aufgebracht und deswegen bin ich hier um dir dieses Interview zu geben…. Deshalb erzähle ich dir das alles, weil langsam verstanden werden muss, dass diese Menschen belehrt werden müssen weil wirklich, dass was sie machen ist nicht gut von keinem Gesichtspunkt aus. Nicht als Vertreter des Gesetzes, nicht auf sozialer Ebene, nicht als Individuum. ich meine, das sind Personen die vergessen, dass sie Personen sind (……)“

Der Auszug stammt aus einem Interview, dass ich vor zwei Tagen mit einem Musiker ohne Lizenz geführt habe. Er konnte mir viel über die Aggressivität der Polizisten gegenüber den Musikern erzählen und wie Lücken im Gesetz dazu führen, dass Polizisten freie Hand gegen Musiker haben. Das wiederum führt zu Gewalt, Aufständen, Geldstrafen und dem Verbrennen von Musikinstrumenten. Ich anonymisiere an dieser Stelle alle Namen.

Patrick spielt seit 5 Jahren in Barcelona und genauso viele Geldstrafen hat er auch schon bekommen. Außerdem wurde ihm schon zweimal das Instrument von der Polizei weggenommen. Warum? Die amtliche Begründung lautet: Besetzung öffentlichen Raumes, Belästigung, Beleidigung eines Polizisten, Straßenmusik mit Percussion und Verstärker ( obwohl es sich um einen Gitarristen handelt) oder einfach: Belästigung. Das Musizieren ist in Barcelona eigentlich erlaubt doch auf diese Weise kann das Musizieren mit einer anderen Gesetzgebung, nämlich der Gesetzgebung für den öffentlichen Raum, behandelt und bestraft werden.

Patrick erzählt mir von viel Gewaltbereitschaft der Polizei gegenüber den Musikern und der Machtlosigkeit der Musiker selbst. Einmal habe ihm ein Polizist die Gitarre enteignet obwohl er nur auf einem Platz auf einen Freund gewartet habe, ohne dass die Gitarre überhaupt den Kasten verlassen hätte. Das Argument der Polizei: Belästigung und Besetzung des öffentlichen Raumes.

Knapp 200,- € kostet es, sein Instrument von der Polizei zurück zu kaufen, die Geldstrafe für absichtliches Besetzen öffentlichen Raumes, mit inbegriffen.

Nicht alle kaufen ihre Instrumente zurück denn diese sind meist weit weniger wert als die Ablösesumme. Deshalb verfügt die Polizei nun über eine ganze Ansammlung von Instrumenten jeder Art, Patrick erzählt wie er einmal in diesen Raum gucken durfte als er sein Instrument gesucht hat „Alles, was du dir vorstellen kannst, bis zur Decke! Saxophone, Gitarren, Cajon….alles!“

Und was passiert mit den Instrumenten? Die werden verbrannt oder an Institutionen verschenkt…für einen sozialen Zweck. Ein bisschen Sarkastisch diese Verhältnisse und sarkastisch sei auch das Verhalten der Polizisten gegenüber den Musikern. Es gäbe einen Polizisten, der würde immer mit einem Lächeln auf ihn zukommen, ihm versichern diesmal gäbe es keine Strafe und er würde ihm auch das Instrument nicht wegnehmen. Er bräuchte nur seine Identifikationspapiere. Klar weiß Patrick schon, dass das alles nur erfunden ist aber was soll er machen? Einmal hat er es erlebt als er und seine Freunde sich gewehrt haben, dass die Polizisten einfach Verstärkung holen und das Kommando zum zuschlagen bekommen, dann fangen sie an mit den Stöcken auf die Menschen einzuschlagen. Egal ob Mann oder Frau. Das ist eine extreme Situation aber Handgreiflichkeit ist fast immer im Spiel. Patrick meint, das Problem liege bei der Frustration der Polizisten und in der schlechten Selektion, wer psychisch im Stande sei, Polizist zu werden. Eine Verbesserung der Einstellungskriterien der Guardia Urbana, die als einzige Guarde, sehr weit gefasste Einstellungskriterien hat, würde helfen.

Das Gespräch mit Patrick zeigte, dass das Thema Straßenmusik ein wachsender Teil der Stadt ist, der für viele essentielle zum Überleben ist und für andere essentiell das Gesicht dieser Stadt mit charakterisiert. Doch dieses wachsende Medium wird von dem Staat weder ernst genommen noch eingebunden in Gesetzgebungen. Daraus resultiert ein sich zuspitzende und zunehmend gewaltsam werdender Diskurs zwischen Musikern und Polizisten.

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