Interview 2// Straßenmusiker mit Lizenz

Interview Straßenmusikant 1// Lizenz

Das Interessante an dieser Forschung ist, dass sie mich immer wieder zu politischen Themen führt. Anders als erwartet, hängt Straßenmusik eng zusammen mit Privatisierung, Stadtteilpolitik und Tourismus. Mein Interviewpartner heute war Juan Gratiniano. Ein aus Kolumbien stammender Harfenist, der seit elf Jahren in Barcelona musiziert. Ich habe von diesem Interview keine Tonaufnahme sondern nur Mitschriften.

Die Kernthemen des Gespräches reflektieren einen allgemeinen Diskurs in Großstädten, die Privatisierung von öffentlichen Bereichen. Diese Entwicklung wirkt sich tatsächlich auch auf die Straßenmusiker. Juan begann mit einer Zusammenfassung über die Straßenmusik im Allgemeinen. Straßenmusik, so Juan, gibt es schon immer. Immer hat Musik auf im öffentlichen Bereichen Menschen geholfen ihr Geld zu verdienen.

Ein wichtiges Datum für Barcelona sei die Olympiade im August 1992 gewesen. Diese Olympiade habe das Leben in der Stadt und die Stadt selber komplett verändert. Die Olympiade stellt Juan wie einen Meilenstein dar, der in Barcelona die Zeit des Massentourismus einläutete und Straßenmusik, so Juan, sei nur für Touristen. Es geht nicht darum Musik zu machen und sich künstlerisch auszudrücken. Er sieht es als seine Arbeit, seinen Job.  Es geht bei der Straßenmusik ums Geld machen und auch die Bezahlung habe sich verändert. „Früher habe ich manchmal Tausend Euro an einem Tag gemacht. Das lag daran, dass ich mit meiner Harfe einer der ersten Harfenspieler auf der Straße war. Das Instrument kannte keiner.“ Juan zählt noch andere Gründe auf die dazu beigetragen haben, dass sich das Einkommen minimiert: Die Krise natürlich, die Unabhängigkeit von CDs durch Entwicklungen wie Youtube und andere Internetplattformen und drittens die Tatsache, dass mehr immatreielles Geld als physisches Geld im Alltag der Touristen benutzt wird. Das sei ein Problem da viele gar kein Kleingeld mit sich tragen würden und einem Straßenmusiker mit einem Kartenlesegeräte würde keiner trauen. Der zweite wichtige Themenblock stellte die Privatisierung dar. Alles, fast alles sei privatisiert ohne dass die Menschen es merken würde. Auch das Büro, welches die Straßenmusik in Barcelona reglementiert sei privat und wird von der Stadt bezahlt. Er sprach sich deutlich gegen Privatisierung aus und sagte, er habe gehört, dass es eine neue Reglementierung für Straßenmusiker geben solle die vorsehe, von den Musizierenden eine bestimmte Summe Geld zu verlangen für die Nutzung des Raumes. Diese Entwicklung brachte uns zu der Frage, warum eigentlich nicht im Gegensatz Straßenmusik vom Staat finanziell unterstützt wird da sie schließlich die Stadt aufwerten und attraktiv für Touristen machen. Die Musiker sind einerseits Touristenatraktion und andererseits nutzen sie öffentlichen Raum für ökonomische Zwecke.

Ich bin gespannt wie die neue Reglementierung, die anscheinend ab Januar verabschiedet werden soll aussieht.

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