Monthly Archives: November 2014

13.11.2014

Es ist Donnerstag der 13.11. 2014. Die Sonne scheint und der Himmel ist azurblau. Kalt ist es trotzdem ein bisschen. ich mache mich, ausgestattet mit Aufnahmegeräte, Kamera und Notizblock auf den Weg zum Montjuic. Zu dem kleinen Berg an dessen Spitze sich das Museum für katalanische Kunst befindet. Damals habe ich Emanuel hier getroffen, den Musiker mit dem ich schliesslich ein langes und aufschlussreiches Interview geführt habe, welches auf diesem Blog unter Interview 3 abgetippt ist. Ich fahre mit der Bahn bis zu der Station Espanya. Schon in der U-Bahn höre ich Musiker. Die typischen Akkordeonspieler, mit einem Hackenporsche in dem sich ein Lautsprecher befindet der an einen MP3 Player angeschlossen ist und den Musiker während seines Spiels akustisch begleitet. Die Stücke sind immer genauso lang wie die Fahrt zwischen den Stationen dauert und meistens hört man, nachdem sie den Wagon gewechselt haben, dasselbe Lied nochmal im nächsten Wagon erklingen. An der Station Enpanya angekommen, lasse ich den heissen U-Bahnschacht und den verwirrend grossen Bahnhof hinter mir und blinzel hoch zu diesem Prachtgebäude vor welchem Wasserfontainen emporschießen. Noch trennen mich mehrere Höhehnmeter und viele Treppenstufen von dem Gebäude.Es sind alte Menschen, schwule PärchenDas Museum für katalanische Kunst auf dem Montjuic. und natürlich Touristen unterwegs. Ich steige eine Treppe hoch und geniesse bereits jetzt die Aussicht, die Ruhe und die klare Luft.

Portrait der Anwesenden: viele alte Leute

Atmosphäre

DSC02268[1]DSC02269[1]

Erste Aussichtsplattform. hier wurde Emanuel damals von der Polizei gepackt und bestraft wegen besetzung des öffentlichen raumes.

Museum für katalanische Kunst von der Seite.

Sicht von der Spitze des Monjuic, neben dem Museum .

Sagrada Familia vom Montjuic aus.

Oben angekommen höre ich schon in der Ferne eine Gitarre klimpern. Ich folge meinen Ohren und stoße vor dem Museum am Fusse der Treppe die zu diesem pompösen Gebäude führt einen Gitarristen der singt und Gitarre dazu spielt. Zwar ist an diesem Ort keine besondere Akustik doch er zeichnet sich durch seine Lage in dem Sinne aus, als das man kann sich auf die Treppen vor das Museum setzen und so die Aussicht und die Musik zusammen geniessen.

Musiker

Aufgrund seiner Sitzposition siejt der Musiker die Aussicht nicht, dafür aber Gesichter der Menschen und ihre Reaktion auf die Aussicht, die Selfieorgien und Fotoshootings.

Schwarzmarkt für kastagnetten und Fecher.

Er singt auf Katalan und Spanisch. Die Texte sind sehr romantische und kitschig. Dadurch entsteht eine Stimmung die der Raum sofort adaptiert und die pittoreske Aussicht untermalt. Die Musik und die Aussicht laden zum hinsetzen und verweilen ein. Dann wechselt der Musiker die Musikrichtung und stimmt ein dramatisches Lied an. Es ist unglaublich wie sehr die Musik die Empfindung beeinflussen kann und ein dramatisches Lied dem Ort sofort eine andere Farbe gibt und meinen Fokus während der Beobachtung des Raumes ändert. Ich kann an dieser Stelle nur subjektiv berichten aber ich habe das Gefühl, dass die Harmonien bestimmte Assoziationen in mir hervorrufen die wiederum an Gedanken und Denkmuster sowie an Wahrnehmung gebunden sind. Ich werde in einem nächsten Text auf das Thema Atmosphären näher eingehen und dazu die Theorie von Gernot Böhme behandeln ( Theorie Teil) .

Zurück zu der Szenerie. Die Menschen um den Musiker bleiben häufig stehen, setzen sich hin und hören zu, nachdem sie ihre Fotos geschossen haben. Nach fast jedem Lied wird geklatscht, das ist bei Strassenmusik nicht üblich.  Der Musiker spielt die ganze Zeit mit einem Lächeln auf dem Gesicht und bedankt sich mit einem Nicken und einem ,,Gracias” für jedes Geldstück und jeden CD-Kauf. Ein Müllwagen fährt vorbei, bleibt vor dem Musiker stehen, der Fahrer grüsst den Musiker und Fahrer sowie Beifahrer fangen an, sich in ihrer Fahrerkabine zu dem Takt der Musik zu bewegen. Der Müllwagen fährt weiter und die Zuschauer lachen. Eine Frau, die mit einer Horde Kindern gekommen ist, singt eines der Lieder mit, anscheinend ein bekanntes katalanisches Lied. Die Kinder haben sich hingesetzt und lauschen dem Musiker gespannt.

Die Zuschauerschaft. beobachtet den Musiker interessiert.

DSC02280[1]

In der Nähe gehen zwei Polizisten zu ihrem Wagen. Ich frage mich, ob sie wohl kommen um den Musiker zu verwarnen da ich keine Lizenz bei ihm sehe. Sie kommen nicht und der Musiker spielt fröhlich weiter. Schließlich geste ich mir ein, dass es wohl keine perfekte Situation gibt in welcher ich den Musiker ansprechen könnte also gehe ich einfach los.,,Hallo, entschuldige die Störung ich komme aus…” Ich stelle mich vor und frage, ob ich ihm ein paar Fragen stellen kann. Unerwarteter Weise legt der Musiker seine Gitarre nieder und sagt ,, ich wollte eh grad eine Pause machen, dann kannst du mich jetzt gerne fragen was du wissen möchtest.” Ich habe mir für dieses Interview vorgenommen so wenig wie möglich selber zu reden, sondern nur einen Anstoss zu geben um dann zu gucken, was dem Musiker selbst wert erscheint mir zu erzählen. Das klappt sogar sehr gut.

Musiker

Narratives Interview:

,,seit vier Jahren spiele ich in Barcelona, als Kind habe ich in einer Rockgruppe gespielt und ja, eigentlich war mein Beruf ein ganz anderer. Ich habe bei einer Versicherungsfirma gearbeitet und dann wegen der Krise habe ich meinen Job verloren. Meinen Söhnen habe ich eigentlich zu verdanken, dass ich jetzt auf der Straße Musik mache. Sie haben immer gesagt: Papa, nimm doch deine Gitarre und mach draußen Musik. Irgendwann habe ich damit angefangen.”

Stolz verriet er mir seine Nummer : 235. Das ist die Nummer, die er innerhalb der autonomen Organisation (AMUC Association Musicos de la Calle) innehat. Diese Assoziation organisiert sich selbstständig und trifft sich alle 15 Tage zu einer Besprechung um Orte und Zeiten festzulegen. Für diese Treffen mieten sie jedesmal einen Raum. Er erzählt, dass jeder in der Assoziation, der aktiv in Barcelona ist, zweimal pro Woche an einem Ort spielt und dann immer nur zwei Stunden. Ich frage ihn wieviele Stunden er ungefähr pro Tag arbeitet und er antwortet: vier bis sechs. Er erzählt mir auch, dass sein Einkommen bei 800,- € bis 1000,-€ pro Monat liegt.

Dann erklärt er mir, warum man in Barcelona einerseits gut spielen kann und es andererseits unmöglich ist hier zu spielen. Das liegt daran, sagt er, dass die Reglementierung so breit gefasst ist, was der Polizei durch einen breiten Graubereich in der Reglementierung, viel Handlungsfreiraum lässt. Gründe, die gegen das Musizieren auf der Straße sprechen und die von der Polizei gegen die Musiker verwand werden sind 1. Geschäfte auf öffentlichem Boden, Besetzung öffentlichen Raumes und Belästigung der Mitmenschen und Anwohnern. Ausserdem ist das Spielen vor einem öffentlichen Gebäude verboten. Es sei ihm einmal passiert, dass die Polizei ihm die Gitarre und den Verstärker weggenommen habe. ,,Sie stecken beides dann in einen Plastiksack der eine Nummer hat, der Musiker bekommt die Nummer und kann das Instrument gegen eine Strafe von 195 Euro abholen.” sagt er. ,,wenn man Glück hat, stecken sie beides in einen Sack, sonst muss man für zwei Säcke bezahlen also zweimal 195 Euro.”

Ich frage ihn, was das Besondere an diesem Ort ist auf dem Montjuic.

Das Gute an diesem Ort sei, dass die Menschen Zeit hätten, nicht wie in der U-Bahn, wo sie nur vorbeilaufen . Die Leute würden sich hinsetzen und zuhören. Das Museum sei ein Publikumsmagnet und anders als bei anderen öffentlichen Gebäuden sei es erlaubt direkt vor dem Museum zu spielen außerdem gäbe es keine Anwohner die man stören würde. Dann erzählt er wie sich die Zusammenstellung seines Programms an den Menschen orientiere die das Publikum darstellen. Jeder Ort habe andere Besucher und mit der Nationalität dieser Besucher würde sich auch sein Programm ändern. Latinos hören gerne spanische Musik und da gäbe es zwei besonders beliebte Autoren die aus Barcelona kommen. Außerdem wäre das Besondere an den Latinos, dass sie das Geschäft auf der Straße kennen. Für die sei es normal CDs auf der Straße zu kaufen weil sie es von Zuhause gewöhnt seien, deswegen würden sie schneller eine CD kaufen.  Dann erzählt er, wie sehr er sich gewundert habe über die Wirkung des Liedes Besame mucho. Vor allem die Asiaten, hebt er hervor, fänden grossen Gefallen an diesem Lied im Gegensatz zu den Menschen aus Barcelona. Wenn er in einer Bar für Leute aus Barcelona spiele, könne er dieses Lied niemals spielen da es zu alt ist, es ist aus der Mode und gehört der Vergangenheit an und die Leute würden ihn komisch angucken. Schliesslich käme dieses Lied ja aus der Zeit vor den 50er Jahren. Dann erzählt er, dass Rumba und Flamenco immer gut funktionieren würde, da die Leute diese Assoziation zu Spanien hätten, dabei würde der Flamenco gar nicht aus Barcelona oder Katalonien kommen, sondern aus Andalusien. Jetzt würde er Englisch lernen und dann Portugiesisch, damit er auch internationale Stücke singen könne. ,, Stell dir vor ich würde auf einmal ein deutsches Lied zwischendurch singen, dass hätte dich doch gefreut, oder?”

Ich nickte.

Am Ende fragte ich ihn, ob ich mal zu einem Treffen der AMUC kommen dürfe, worüber er sich sehr freute und mir sofort eine Karte zeichnete mit dem Weg. So werde ich am 24. 11 zu einem Treffen der AMUC gehen und mal sehen, wie das so abläuft.

…und jetzt muss ich schnell zu der Vorlesung von Manuel Delgado : )

Advertisements

Interview 3// Emanuel und Martin // “Illegale Musiker”

Gespräch mit Manuel und seinem Freund Martin Horne

Thema: Straßenmusik in Barcelona

Profil: Beide sind Straßenmusiker in Barcelona. Martin seit ca. 15 Jahren. Emanuel kommt ursprünglich aus Argentinien und ist nur vorrübergehend in Barcelona. Emanuel spielt Gitarre, Martin Steel Drum.

Emanuel. Es ist sehr schwer eine Lizenz zu bekommen.

Sophia. Und dort auf dem Monjuic wo ich dich gesehen habe, dort kommt die Polizei nicht hin?

Emanuel. Naja letztens haben sie mich verwarnt. Also es gibt viele Diebe dort auf dem Monjuic und deswegen ist die Polizei eher beschäftigt mit diesen Räubern als mit den Musikern. Es ist eigentlich so, wenn die Polizei nichts zu tun hat, beschäftigt sie sich mit den Musikern.

Sophia. Wirklich? Aber ich habe die Polizisten noch nie auf den Monjuic laufen sehen und wenn, dann würde man sie ja vorher sehen…

Martin. Doch finde ich schon. Mit ihren Motorrädern, Autos, zu Fuß und auf den Monjuic kommen sie oft auch getarnt als Passanten mit zwei Rucksäcken oder so.

E.Seit einer Woche spiele ich jetzt dort an der Stelle wo du mich gesehen hast. Vorher war ich weiter unten auf einem großen Platz bis die Polizisten mich gefasst haben. Deswegen habe ich gewechselt. Ich habe aber vorher schon an vielen anderen Plätzen in Barcelona gespielt. Als sie mich gesehen haben, saß ich auf dem Platz mit den Fontänen am Fuß vom Monjuic extra so, dass man mich von der Seite von der die Polizisten kommen nicht sieht. Naja…

S. Und deine Motivation auf der Straße zu musizieren ?Geld? Die Musik? Was war zuerst da

E. Also ich spiele weil es mir Spaß macht und natürlich wegen dem Geld aber auch weil es mir Spaß macht…ich mag die Leute und ich möchte etwas Schönes dem Ort hinzuzufügen. Ich will nicht stören. Außerdem tue ich es für mich selber, wenn das nicht so wäre würde ich etwas anderes verkaufen…

S. Und warst du bereits in anderen Städten zum spielen?

E. Ja.

S. Welchen Unterschied gibt es?

E. Also in Europa war ich nur in Spanien. Und eigentlich passiert ein bisschen an allen Orten das gleiche, es wird immer mehr verboten. Wegen dem Geld…aber wenn sie alles verbieten, gibt es Probleme, dass regt die Leute auf.

Manchmal sind sie auch hinter den Musikern her, nehmen dir die Sachen weg und die Gitarre. Also in Spanien lassen sie dich für alles büßen, die sind hinter dem Geld her. Alles wird verboten und mit Büßen bestraft, das gibt Geld. In Argentinien ist das zum Beispiel anders. Da darfst du in den Straßen Alkohol trinken, Musik spielen und so weiter.

S. Wo genau?

E. Im Süden von Argentinien, in Badaloni.

S. Da kommst du her?

E. ja.

S. Als Musiker observierst du bestimmt die Menschen um dich. Wie reagieren sie? Wie veränderst du mit deiner Anwesenheit den Ort?

E. Klar, es gibt Menschen die haben ein musikalisches Gehör, denen gefällt Musik im Allgemeinen und wieder anderen gefällt andere Musik….weil meine Musik ist ja sehr ruhig. Manche bleiben stehen und hören weil die Musik sie berührt und andere bevorzugen andere Musik, die bleiben nicht stehen.

M. Ja, ich glaube das hängt viel mit der Art der Musik zusammen. Ich spiele jetzt seit vierzehn oder fünfzehn Jahren in der Straße und wenn ich selber durch die Straßen gehe, sehe ich manchmal Gruppen die spielen aber ich kann nicht anhalten weil ich keine Zeit oder kein Geld habe. Aber ich kenne die Situation aus eigener Erfahrung: Du spielst in der Straße weil du kein Geld hast und dann hält keiner an, keiner gibt Geld…das ist blöd.

E. Ja und das ist das Gute an den Touristen bei der Sagrada Familia oder dem Montjuic. Die haben alle Zeit der Welt. Die Menschen die hier leben sind es nicht die anhalten, die sehen die Musik jeden Tag und sind schon gelangweilt.

E. Eine Sache ist auch in der Metro, mir gefällt es nicht sonderlich in der Metro zu spielen, man braucht eine Erlaubnis und muss ein Examen machen.

S. In der Metro gibt es auch Lizenzen?

E. Ja, man muss zu einem Ort gehen wo man ein Casting macht und dann die Lizenz bekommt, die teilen dich ein und sagen dir wann du wo spielen darfst. Aber es gefällt mir nicht.

S. Es ist nicht der beste Ort um Musik zu machen, oder?

E. Nein! Es findet so viel Austausch statt in der Metro, die Leute sind gestresst und laufen hin und her…für mein Instrument ist das nichts. Wenn ich die Leute in der U-Bahn spielen sehe, haben sie meist nur ein oder zwei Themen (Lieder). Das ist sehr traurig finde ich.

S. Es geht denen nicht um die Musik…

E. Nein aber sie quälen sich selbst und natürlich geht es um das Geld und wenn du davon lebst, dann brauchst du auch Geld und das ist eine Sache mit dem Geld….sehr unstetig. Es gibt keine Methode … manchmal gehst du und verdienst 100 € und du denkst dir meine Güte, Wow, 100 € und manchmal sind es nur 20 €. Das ist immer unterschiedlich und du weißt nicht warum oder wann….ja

S. Also wenn die U-Bahn nicht dein Ort zum Spielen ist, wie wählst du in einer Stadt deinen Platz zum spielen aus…..von was hängt ein guter Platz ab?

E. Die Akustik natürlich. Das Gebiet um die Kathedrale mit den gotischen Gebäuden, das ist toll….besonders für klassische Musik. Aber auch an den Ramblas ist es toll. Da bei der Kirchen…da sind immer viele Pärchen (lacht).

S. Wenn du in einer neue Stadt kommst, wie würdest du einen Platz zum Spielen suchen?

E. Also ich war in Granada lange und ich würde mich schon zuerst an den Touristen orientieren und suche nach Touristen-Attraktionen. Eigentlich die Orte an die ich als Tourist auch gehen würde. Aber genauso würde ich andere Musiker fragen, die ich auf der Straße sehe. Auch Plätzen wo viele Cafés sind bieten sich an zum spiele. Hier in Barcelona kann man nur nicht lange da spielen weil dann der nächste kommt und sagt: ey, jetzt bin ich mal dran.

M. Und die Nachbarn…

E. Ja, die Nachbarn. Wenn man zu lange spielt kommen sie runter und rufen die Polizei

S. Ist es in Gracia (Stadtteil in Barcelona) auch verboten zu spielen?

E. Ja, überall.

E. Sie spielen trotzdem und manchmal kommt die Polizei und manchmal nicht

E. meistens kommen sie nur wenn jemand sie anruft. Es gibt Leute die sagen nichts und rufen einfach die Polizei..manche stört es einfach, die Musik oder das man seine CDs verkauft und nichts bezahlt sondern Geld macht. Andere zahlen viel Geld um sich einen Laden leisten zu können um zu verkaufen.

M. Ja und stell dir vor in Gracia gibt es 7 Plätze oder 8 und dann kommt ein Musiker und der nächste Musikerund der nächste und eine Gruppe und vor einigen Jahren war es so und die Nachbarn haben gesagt, jetzt reicht’s. Und in der Rambla Catalunya, kennst du die? Da ist sozusagen das Büro aller Musiker in Barcelona (lacht) weil es viele Terrassen bzw. Plätze mit Cafés gibt und es gab einen Zeit, da waren es so viel und dann die ganzen Roma mit ihrem Akkordeon. Da konntest du nicht mehr spielen…. zu voll. Und dann haben sie es verboten. Zunächst haben sie nur einen Stundenplan bis um 23 Uhr gemacht, dann bis 21 Uhr und dann haben sie alles verboten.

S. Seit wann ist das so?

M. Also jetzt spielen sie schon wieder dort in der Rambla Catalunya. Saxophon, Gitarre, Gruppen, einige tanzen sogar Tango. Und damals sind dann die Roma gekommen bevor es verboten wurde und haben auch gespielt, die ganze Zeit, immer die gleichen Stücke und du siehst auf der nächsten Bank schon einen sitzen der wartet um als Nächster zu spielen. Trinken einen Cafe oder ein Bier und ja irgendwann hatten die Anwohner genug und sie haben alles verboten.

S.Aber sie wollen es verändern im Januar. Vielleicht privatisieren sie es…

E. In Deutschland ist das so….in München. Du musst bezahlen wenn du einen Platz zum Spielen willst.

S. Aber es geht auch anders. In Havanna wird es gegenteilig gemacht. Die Musiker haben eine Art Job bei der Stadt, bekommen Geld von der Stadt und werden zum Spielen in der Straße eingeteilt…

M. Dann musst du nicht betteln. Aber hier bezahlen sie nicht.

E. Aber die Leute gehen in die Straße weil man mehr verdient. Du verdienst mehr in der Straße als in irgendeiner Bar. Weil die dich nicht richtig bezahlen.

S. Echt?

M. Sie geben schon Geld aber immer weniger. In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das verändert. Es gibt immer weniger Bars die Musik Live anbieten und immer mehr Musiker. Die Anzahl der Bars, das Doppelte an Musikern und ein Viertel an Geld. Also sagen sie: Wir geben dir ein belegtes Brot und ein Bier und 20 € und dann musst du davon die Anfahrt und alles bezahlen.

E. Aber dann verteilen sie auch in den Bars Strafen.

M. Ja, ich habe einen Freund der ist so pleitegegangen. Auf den kanarischen Inseln. Er war arbeitslos und hat Arbeitslosengeld bekommen. Dann hat er in einer Bar gespielt und wurde von der Polizei überprüft und die Sache ist, dass du als Arbeitsloser der Geld bezieht nicht spielen darfst. Und dann nehmen sie dir das Arbeitslosengeld. Im Ernst, ich mache keine Späße. Dann kriegt die Bar eine Strafzahlung, weil sie einen Musiker ohne Vertrag spielen gelassen haben, der Arbeitslos gemeldet ist…und das bedeutet das Aus für viele Bars und deswegen machen es viele nicht mehr.

Und hier ist es so, dass manche Bars ein Messgerät für die Lautstärke besitzen welches mit dem Computer des Rathauses verbunden ist und um 23 Uhr drosselt dieser Computer das Volumen und um 24 Uhr nochmal und wenn dann ab 2 Uhr am Morgen noch Musik läuft die lauter ist als die vorgegeben Lautstärke, gibt es eine Strafzahlung für diese Bar. Also ist das Volumen der Bar direkt mit dem Rathaus verbunden und diese senken das Volumen. Diese ganze Einrichtung hat natürlich auch viel Geld gekostet.

(Dieser letzte Absatz beinhaltet eine waghalsige Theorie deren Richtigkeit ich mir nicht allzu sicher wäre.)

E. Eine andere Option ist natürlich in der Metro zu spielen.

M. Aber das ist verboten.

E. Klar, es ist verboten. Ich habe mal eine Zeit da gespielt aber es hat mir nicht sonderlich gefallen. Klar, wenn sie dich sehen kann es eine Strafe geben, es ist verboten, da muss man aufpassen. Aber die Musiker in der Metro organisieren sich auch untereinander, es gibt eine Schlange. Die Musiker sitzen und warten bis sie an der Reihe sind. Wenn ein Zug kommt, steigt einer ein, spielt 15 min. in verschiedenen Wagons bis zu einer bestimmten Station und dann steigt sie aus und wartet. Dann ist der nächste dran. Als ich neu war ist mir das passiert. Ich bin gekommen und die haben mich gesehen und : Ey, ey was ist los? Was macht der da? Ey ey komm mal her! Haben sie gerufen und dann haben sie mir erklärt, dass ich mich in die Schlange stellen muss. Das ist auch damit man sich nicht in einem Wagon trifft. Ich frage mich warum sie es nicht in den Autobussen machen. In Argentinien spielen sie auch in den Autobussen. Aber hier nicht.

S. Und wie ist der räumliche Unterschied zwischen Konzert und Straße? Du hast keinen Off-Raum. Fühlt man das?

M.Gut also ich glaube das ist unterschiedlich weil es gibt Gruppen in Barcelona, vor Allem im Sommer in Barceloneta und am Strand, die viel Publikum haben und zum Beispiel Salsa spielen und Rumba mit vielen Rhythmusinstrumenten wie der Cachon. Ich habe auch in solchen Gruppen gespielt aber nicht ganz so groß nur ungefähr mit fünf Leuten. Klar und der erste Unterschied ist die Tageszeit. Du spielst am Tag und nicht abends oder nachts. Dann klar, du musst viel vorbereiten und auch das Programm wird anders zusammengestellt. Weil auf der Straße kannst du ja nicht ein langes Programm spielen sondern ein kurzes ca. 15 min. Programm und das wiederholst du dann. Weil wenn du zum Beispiel im Park Guell spielst von 12:00-15:00 Uhr, kannst du nicht ein durchgehendes Programm spielen. Das sind drei Stunden. Außerdem brauchst du Pausen um dich auszuruhen und zu warten bis die Zuschauer gewechselt haben.

E. Also für mich ist es so: wenn ich auf der Straße spiele ist das eher als würde ich in meinem Zimmer üben. In einer Bar zum Beispiel bei einem Konzert ist die Energie ganz anders, viel komprimierter. Die Leute erwarten etwas und gucken dich alle an. Die Verantwortung ist eine andere. Mir gefällt es zum Beispiel auch nicht in der Straße zu singen. Wenn ich Konzerte gebe singe ich, aber wenn ich in der Straße spiele nicht.

S. Und wie funktioniert die Kommunikation zwischen Musiker und Passant?

E. Das ist auch eine Arbeit. Da hast du Recht. Also einige kommunizieren gar nicht, spielen einfach und nehmen das Geld für die CDs entgegen. Aber andere kommunizieren mit den Passanten, animieren sie, zeigen wenn die Show zu Ende ist, damit neue Leute kommen können und das Publikum sich wechselt.

S. Das ist eine Nonverbale Sprache oder?

M. Ja nonverbal.

S. Und eine andere Kommunikation ist ja die Musik. Kannst du sagen wie die Leute auf bestimmte Songs reagieren? Also gibt es Songs bei denen die Leute bleiben und Geld geben?

E. Klar (lacht). Wenn ich anfange…(singt die ersten Töne von Carmen Suite) dann bleiben sie stehen und hören. Also ich habe beispielsweise ein Repertoire von 1,5 Stunden und zwischendurch spiele ich diese Lieder wie Carmen. Bzw. die drei bei denen ich mir sicher bin, dass sie funktionieren. Das ist verrückt, manche Lieder haben nichts besonderes „Round midnight“ zum Beispiel. Nichts! Aber ein richtiger Ohrwurm. Also da gefällt mir der Tango besser.

S. Piazolla…

E. Genau. Es funktioniert also spiele ich innerhalb dieser anderthalb Stunde Programm mindestens dreimal die drei Stücke die funktionieren. Das merkt ja keiner. Du kannst die Lieder auf der Liste sehen, die ich spiele (hält mir seine CD vor die Nase)

S. Ja, die kenne ich. Hab` beide von dir gekauft.

M. Beide hast du? Du bist ja ein richtiger Fan…(lacht)

S. Genau.

E. Ich gehe immer diese Liste durch wenn ich spiele, obwohl ich noch mehr Stücke habe die nicht auf der Liste sind. Die Liste habe ich im Kopf…hier siehst du 16 und insgesamt sind es 36 Lieder die ich spiele. Da sind die drei Lieder( Zeigt auf die CD Rückseite) : Alfons y el Mar, Volver und Carmen. Das Gute an Tango ist, auch wenn die Menschen das Stück nicht kennen, der Tango hat eine besondere Charakteristik die die Leute anspricht und die jeder als Tango wiedererkennt.

M. Welcher ist der Tango? Das letzte?

E. Ja, des letzte ist Piazolla. Nummer 16.

M. Ah, da! Spielst du ein Instrument, Sophia?

S. ja, Violine aber nur klassisch, was eigentlich schade ist.

M. Als Kind habe ich auch Violine gespielt.

S. Wie schön. Darf ich noch eine Frage stellen?

E. und M. ja ja!

S. Was wäre Barcelona ohne Musik, was gibt diese Straßenmusik der Stadt?

M. Ja, die Musik gibt der Straße erst ihr Leben, sie vitalisiert die Straße. Du kannst so viel sehen. Manche spielen mit Marionetten, manche spielen Musik, tanzen…so viel. Aber die Musik und die Kunst die in den Straßen stattfindet gibt ihr ein Leben, eine Farbe und klar ohne dieses wäre es viel….viel…langweiliger oder monotoner oder farblos. Vielleicht auch kälter vom Ambiente und eintöniger. Klar, das Ambiente hängt auch immer von der Musik ab. Ob sie Klassik oder Jazz oder Salsa und andere karibische Musik spielen oder Tango. Und ich denke das der größte Unterschied besteht zwischen klassischer und anderer Musik wie Jazz und Rock. Früher gab es auch mehr Klassik in der Straße…viele Russen und andere aus dem Osten von dem Bereich hinter dem Vorhang. 1989 war es glaub ich ungefähr, da kamen viele Russen und viele die klassische Musik gemacht haben. Sehr gute Musiker, die alleine oder in Gruppen gespielt haben. Immer gut angezogen. Da haben viele gerne zugehört. Deswegen sage ich, dass es sehr darauf ankommt wer spielt und wann und welche Stücke. Das letzte Mal, dass ich mit einer Gruppe in der Straße gespielt habe war mit ein paar Mexikanern.

S. Und wie findest du diese Menschen, wie finden die Gruppen zusammen?

M.Mich hat ein Freund angerufen der keine Zeit hatte und normalerweise mit dieser Gruppe spielt.

M. Die Leute in der Gruppe waren alle ziemlich jung. Der Kontrabassist war 23. Und dann ging es los: erst Park Guell zum nächsten Spot und zum nächsten und ich mit meinen Perkussionsinstrumenten. Woahh das war anstrengend. Wir waren ein Saxophonist, ein Kontrabassist, ein Posaunist, ein Sänger und ein oder zwei Perkussionisten. Klar, wenn du singst brauchst du Pausen und musst aufpassen und die spielen bei Regen, Wind und Hitze. Deswegen muss die Show fokussiert sattfinden. Am Anfang gleich viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen damit die Leute animiert sind CDs zu kaufen, Geld zu geben weil natürlich 20 min. für 6 Musiker, da kommen für jeden 20€ raus wenn es gut klappt. Der Sänger kann dieses Programm vielleicht viermal durchziehen und danach fehlt ihm die Stimme…deshalb ist es wichtig die Shows kurz und explosiv zu machen. Deswegen muss man sehr sympathisch sein, viel Show machen und die Leute direkt ansprechen. Und im Gegensatz dazu die klassischen Instrumente, da tanzt keiner, das ist eher eine ruhige Stimmung. Die Leute kommen und setzen sich und hören zu. Deshalb meinte ich, es kommt darauf an welche Instrumente und welche Zusammensetzung, damit ändert sich auch das Ambiente.

Was wäre denn die Zukunft der Straßenmusik für dich in Barcelona?

Also mhhh schwer.

Kann Straßenmusik als offen zugängliche Kunst gesehen werden?

Klar, du kannst hier Dinge sehen ohne in ein Konzert zu gehen und sogar Dinge die du nicht in einem Konzert sehen würdest. Aber ich weiß nicht, die Zukunft, also ich hoffe das sie nicht mehr verbieten weil es langweilig wird. Die Musiker sind immer die gleichen. Und dann ist auch ein Problem, dass manche Musiker behaupten ein Platz gehöre ihnen. Im Park Guell gibt es so ein paar gute Plätze wo man gut verdient. Und da habe ich es einmal gesehen. Einer der meinte „der Platz gehört mir ich spiele immer hier.“ Das kann ja nicht sein. Der Ort gehört keinem.

Das ist mir auch mal in Gracia passiert mit den Afrikanern. Ich war neu in Barcelona und kam zum spielen und einer der Afrikaner stand schon in einer Ecke. Dann habe ich mich hingesetzt und einer kam und meinte ich kann hier nicht spielen weil das sein Platz ist. Die haben sich da organisiert. Montag der eine, Dienstag der Nächste erst in der einen und dann in der anderen Ecke. Keine Ahnung ob das eine Mafia ist (lacht) keine Ahnung wie das funktioniert.

Bestimmt eine Person die Menschen nach Europa bringt und die hier spielen lässt.

Vielleicht verdienen die 15 € pro Session und müssen dann einen Teil abgeben. Ich weiß es nicht aber irgendwas ist da.

Es gibt auch Trends. Zum Beispiel vor einigen Jahren die Djembe. Da haben auf einmal viele Djembe gespielt. Viele Italiener.

Keine Afrikaner?

Nein Italiener. Die waren auch nicht gut. Aber klar, das war in Mode…

In der Zeit haben sie dann alle Perkussioninstrumente in Barcelona verboten weil die Anwohner so genervt von all den Trommeln waren. In Barceloneta und am Strand nicht weil es da nicht viele Anwohner gibt oder der Raum breiter ist. Es gibt halt zwei drei Punkte an denen es keine Nachbarn gibt.

Aber du spielst doch Percussion…

M. Ja, aber ich spiele nur Steeldrum. Percussion ist eher Schlagzeug und so. An der Porta de Angel gibt es eine Gruppe die eine Erlaubnis hat und einen Stundenplan. Das hat natürlich auch einen Grund. Stell dir vor jemand arbeitet in der Nacht und kommt nachhause um zu schlafen und um 10 Uhr morgens fängt ein Schlagzeug an…Emanuel hat ja Gitarre studiert in Argentinien aber ich bin gekommen und konnte fast nichts. Und habe mit zwei oder drei Lieder angefangen und dann nach zwei Jahren hatte ich gelernt, auch durch andere Musiker auf der Straße, durch das spielen in Gruppen und das ständige üben auf der Straße.

Seit wann bist du hier?

Seit den 80ern.

Das ist lang…Nagut vielen Dank ich glaube das war es erstmals.

Im Anschluss an dieses Gespräch, das bereits über eine Stunde und achtzehn Minuten ging wurde ich von den beiden noch eingeladen zum Essen zu bleiben und habe mich bestimmt noch weitere anderthalb Stunden mit ihnen unterhalten.

Interview 2// Straßenmusiker mit Lizenz

Interview Straßenmusikant 1// Lizenz

Das Interessante an dieser Forschung ist, dass sie mich immer wieder zu politischen Themen führt. Anders als erwartet, hängt Straßenmusik eng zusammen mit Privatisierung, Stadtteilpolitik und Tourismus. Mein Interviewpartner heute war Juan Gratiniano. Ein aus Kolumbien stammender Harfenist, der seit elf Jahren in Barcelona musiziert. Ich habe von diesem Interview keine Tonaufnahme sondern nur Mitschriften.

Die Kernthemen des Gespräches reflektieren einen allgemeinen Diskurs in Großstädten, die Privatisierung von öffentlichen Bereichen. Diese Entwicklung wirkt sich tatsächlich auch auf die Straßenmusiker. Juan begann mit einer Zusammenfassung über die Straßenmusik im Allgemeinen. Straßenmusik, so Juan, gibt es schon immer. Immer hat Musik auf im öffentlichen Bereichen Menschen geholfen ihr Geld zu verdienen.

Ein wichtiges Datum für Barcelona sei die Olympiade im August 1992 gewesen. Diese Olympiade habe das Leben in der Stadt und die Stadt selber komplett verändert. Die Olympiade stellt Juan wie einen Meilenstein dar, der in Barcelona die Zeit des Massentourismus einläutete und Straßenmusik, so Juan, sei nur für Touristen. Es geht nicht darum Musik zu machen und sich künstlerisch auszudrücken. Er sieht es als seine Arbeit, seinen Job.  Es geht bei der Straßenmusik ums Geld machen und auch die Bezahlung habe sich verändert. „Früher habe ich manchmal Tausend Euro an einem Tag gemacht. Das lag daran, dass ich mit meiner Harfe einer der ersten Harfenspieler auf der Straße war. Das Instrument kannte keiner.“ Juan zählt noch andere Gründe auf die dazu beigetragen haben, dass sich das Einkommen minimiert: Die Krise natürlich, die Unabhängigkeit von CDs durch Entwicklungen wie Youtube und andere Internetplattformen und drittens die Tatsache, dass mehr immatreielles Geld als physisches Geld im Alltag der Touristen benutzt wird. Das sei ein Problem da viele gar kein Kleingeld mit sich tragen würden und einem Straßenmusiker mit einem Kartenlesegeräte würde keiner trauen. Der zweite wichtige Themenblock stellte die Privatisierung dar. Alles, fast alles sei privatisiert ohne dass die Menschen es merken würde. Auch das Büro, welches die Straßenmusik in Barcelona reglementiert sei privat und wird von der Stadt bezahlt. Er sprach sich deutlich gegen Privatisierung aus und sagte, er habe gehört, dass es eine neue Reglementierung für Straßenmusiker geben solle die vorsehe, von den Musizierenden eine bestimmte Summe Geld zu verlangen für die Nutzung des Raumes. Diese Entwicklung brachte uns zu der Frage, warum eigentlich nicht im Gegensatz Straßenmusik vom Staat finanziell unterstützt wird da sie schließlich die Stadt aufwerten und attraktiv für Touristen machen. Die Musiker sind einerseits Touristenatraktion und andererseits nutzen sie öffentlichen Raum für ökonomische Zwecke.

Ich bin gespannt wie die neue Reglementierung, die anscheinend ab Januar verabschiedet werden soll aussieht.

Interview 1 // óscar Martinez// Centre Civic Convent Sant Agusti//Cuidad vella

Interview Óscar Martinez (Thema: Reglementierung der Straßenmusik)

Begrüßung// Vorstellung //

 Sophia. Kannst du mir erzählen, wie das hier bei dir im Büro abläuft? Wenn jemand kommt und in   Barcelona spielen möchte?

Oscar. Momentan ist dieses Projekt geschlossen nur die Musiker die bisher mit Lizenz spielen, haben die Erlaubnis. Es gibt momentan keine neuen Beitritte von Musikern. Nur unter den Musikern wenn sich zum Beispiel ein Musiker aus einer Gruppe geht, kann ein neuer nachrücken. Deshalb, weil das Rathaus über eine neue Gesetzgebung nach für die Musiker und dehalb gibt es momentan keinen Eintritt und keinen Austritt.

S.Und wie viele gibt es, wieviele Musiker?

O.102

S. Und gab es jemals ein Casting?

O. Nein, Castings gab es nie, das ist zu aufwendig. Das läuft über ein Auswahlverfahren. Die Musiker präsentieren ihren Antrag dann gibt es eine Anzahl an Plätzen und jenachdem welche Intrumente bereits vertreten sind, nach all diesen Kriterien wird ausgewählt und die Musiker bekommen eine Lizenz.

S. Und was kostet diese Lizenz?

O. Nichts. Obwohl in der nächsten Gesetzgebung wird es wahrscheinlich eine geben aufgrund des Verkaufs von CDs und der Besetzung des öffentlichen Raumes.

S. Aber eigentlich ist der Raum öffentlich, das heißt es ist normal, dass man nicht bezahlt. Oder?

O. Nein, das ist nicht normal. Denn es gibt eine Seite….es findet eine ökonomische Transaktion statt dadurch, dass die Menschen den Musikern Geld geben oder eine CD kaufen. Deshalb brauchen sie eine Lizenz um öffentlichen Raum zu ökonomischen Zwecken zu nutzen.

S. Das heißt bisher müssen sie nicht bezahlen aber sie müssen auch nichts von dem Geld welches sie einnehmen abgeben….können die Musiker denn mit dem Geld überleben?

O. Viele ja. Für viele ist das ihr Job, ihr einziger Job.

S. Und warum gibt es eine Reglementierung?

O. Weil es sonst in ein Chaos ausartet und es zu viele Anrufe bei der städtischen Polizei gibt …deshalb gibt es seit ca. sieben oder acht Jahren diese Reglementierung um Konflikte zu vermeiden.

S.Und was meinst du welche Rolle spielt diese Straßenmusik für die Stadt? Macht sie einen großen Teil aus? Gibt sie Barcelona eine Identität?

O. Du kannst Barcelona nicht verstehen ohne Straßenmusiker. Ich bin aus Barcelona und ich habe sie immer gesehen die Straßenmusiker, sie sind schon immer da….und ich habe schon ein gewisses Alter…(lacht)

S.Und glaubst du das die Musik der Stadt ein Ambiente wiedergibt, welches durch Massentourismus verloren geht?

O.Ja, die Musik hilft schon dem Wind (wörtlich übersetzt) der Stadt und deshalb ist dieses Projekt auf im Zentrum der Stadt lokalisiert, wo es viele Leute gibt. Zum Beispiel hinter der Kathedrale gibt es zwei Punkte wo immer Musiker sind und das sind zwei sehr lebendige Punkte.

S. Und hat die Stadt irgendeinen Gewinn von diesem Einfluss?

O. Nein. Der Gewinn ist nur, dass die Touristen fröhlich sind und eine CD kaufen . Keinen Kredit.

S. Gibt es irgendeine Verbindung zum Touristenmanagement?

O. Nein.

S. Und es gibt Musiker aber auch andere Künstler….

O. Ja genau. Magier und so. Aber hier kümmern wir uns nur um die Musiker. Alles was andere Kunst

S. in der Straße betrifft ist nicht reglementiert. Da gibt es keine Lizenz und nichts.Also könnte ich jetzt einfach auf die Straße gehen und eine Choreographie tanzen und das wäre erlaubt.

O. Also die Polizei dürfte dich auffordern zu gehen, dir deine Instrument, Musik oder was du bei dir hast wegnehmen und dir eine Strafzahlung in Rechnung stellen.

S. Oh also doch nicht so legal…Aber zum Beispiel gibt es doch bei dem Arc de Triomf viele Tänzer die dort regelmäßig mit Musik trainieren…ist das legal?

O. Ist das Legal? Das ist die Frage! Die Polizei lässt sie wohl weil es ein offener Raum der sehr weiträumig ist. Solange sie keinen stören, erlauben die Polizisten es(min. 5.57)

S. Und wenn die Musiker neben einem Restaurant spielen, dürfen sie die Gäste nach Geld fragen?

O. Nein, das dürfen sie nicht.

S. Und wie ist das Profil der Musiker?

O. Sehr unterschiedlich. Es gibt Musiker die vom Konservatorium kommen und Autodidakten.

S. Ah. Also gibt es auch Professionelle.

O. Ja, es gibt sogar Musiker die dieses Projekt verlassen weil sie in ihrer Karriere aufgestiegen sind und entdeckt wurden oder so….

S. Dann würde mich noch interessieren wie du an dieses Projekt gekommen bist

O. Also ich bin Kulturverwalter und arbeite in der Kulturverwaltung die das Management für dieses Zentrum führt. Alle, die du hier siehst sind von diesem Unternehmen. Als ich kam, gab es das Projekt schon und die Arbeit in diesem Projekt stellt nur einen Teil meiner Arbeit hier da.

S. Ok aber du hast sonst nichts mit Musik zu tun?

O. Nein, ich habe keine Ahnung von Musik. Ich höre sie gerne.

S. Was ist die Zukunft dieses Projektes, was fehlt ihm aus deinen Augen?

O. Also es gibt einige Sachen die verbessert werden müssen. Momentan findet eine Stagnation statt und weil dieses Projekt nicht nur eine Reglementierung ist sondern auch ein kulturelles Projekt muss sich etwas ändern.

S. Und ich denke es ist auch eine Möglichkeit für diejenigen, die nicht für Theater oder Konzerte bezahlen können, trotzdem Kultur zu erleben.

O. Ja genau und da gibt es viele Themen über die gesprochen werden muss zum Beispiel ob öffentlicher Raum wirklich öffentlich ist. Soll es frei sind für Musiker? Dann haben wir das Problem, dass es zu viele Musiker gibt aber so ist der öffentliche Raum kein wirklich öffentlicher Raum sondern ein bewirtschafteter öffentlicher Raum.

S.Aber wenn man es nicht reguliert…

O. Anarchie…dann gibt es Streit um die Plätze.Es sind viele Dinge in der Luft aber bisher ist es noch nicht klar wie die Zukunft aussieht. Im Januar soll es eine neue Gesetzgebung geben aber die Verhandlungen gehen schon seit zwei Jahren.

S. Und wer entscheidet das?

O. Der Bezirk Cuidad Vella

S. Die Musik ist nur in diesem Distrikt reglementiert? Nur in Cuidad Vella, richtig?

O. ja! Obwohl sie vielleicht auch für den Park Güell eine Reglementierung einführen wollen denn dort gibt es auch sehr viele Musiker…aber das ist noch unklar.