Que Pot L’art?

29.10.2014

Ich wurde zu einem Treffen der Forschungsgruppe GRECS eingeladen, dass heute um 19 Uhr stattfinden sollte. Die Gruppe ist in die UB (Universität Barcelona) eingegliedert. Einer der Gründer ist Manuel Delgado Ruiz, mein Tutor. Das Überthema war die Frage: Was kann Kunst. Es waren 34 Mitglieder zugegen und die Veranstaltung ging von 18-21 Uhr. Ich möchte an dieser Stelle eine Zusammenfassung der Diskussionsrunde geben und anschließend die Thematik auf meinen Forschungsgegenstand, die Straßenmusik übertragen.

Was ist Kunst? Es muss nicht unbedingt nur eine Vorstellung sein, eine Darbietung. Kunst kann auch, so war eine Aussage und diese Idee kommt der Habitustheorie von Bourdieu sehr nah, Kunst kann auch Reflektion von Zeit, Stadt und Umfeld sein. Schnell kam das Thema auf die Korrelation von Politik und Kunst. Die Frage ob Proteste nicht auch Kunst sind und wir alle Kreative. Ja, wer ist eigentlich die kreative Klasse? Das Meinungsbild war gemischt aber die meisten hatten den Ansatz, dass es die kreative Klasse nicht sondern die Gesellschaft an sich kreativ ist.

Ein nächstes großes Thema stellte die Verbindung zwischen Kunst und Vermittlung von Kunst dar, beeinflusst einerseits durch Formalien und andererseits durch kritischen Sozialismus. Die Formalien werden beispielsweise durch Institutionen dargestellt. Als konkretes Beispiel wurden die Zusammenhänge zwischen dem Museum für moderne Kunst (MACBA) und die Gentrifikationsprozesse in dem Viertel Raval, in dem dieses Museum sich befindet, diskutiert. Kann Kunst oder die Institution als Transformator wirken? Und was ist eigentlich mit der Kunst, findet sie nur in institutionellem Rahmen statt? Gibt es keine freie Kunst? Das Thema Straße kam auf und ich wurde hellhörig. Kunst auf der Straße, ist das freie Kunst oder ebenfalls institutionalisierte Kunst weil die Straße eine „Institution“ ist?

Die Straße als Institution

Eine Institution ist an bestimmte Konventionen gebunden. Der Duden definiert das Wort Institution mit einer passenden Definition: bestimmten stabilen Mustern folgende Form menschlichen Zusammenlebens oder einem bestimmten Bereich zugeordnete gesellschaftliche, staatliche, kirchliche Einrichtung die dem Wohl oder Nutzen des Einzelnen oder der Allgemeinheit dient. (http://www.duden.de/rechtschreibung/Institution)

Nach dieser Definition könnte die Straße als Plattform für Kunst (Musik) tatsächlich als Institution gesehen werden. Es bestehen stabile Muster die den Musikern auf der Straße vorgegeben werden, es handelt sich um eine staatliche Organisation und die Musik dient übergeordnet dem Wohl der Touristen und dem Nutzen der Musiker. Zunächst zu den Mustern des menschlichen Zusammenlebens und der staatlichen Komponente. Die Orte an denen im öffentlichen Raum musiziert werden darf sind festgelegt und ebenso sind Lautstärke in Dezibel Angeben und Quantität der Musiker auf ein Maximum festgelegt. Über die Lautstärke, die Quantität und die Lokalisierung hinaus, gibt es bestimmte Zeitpläne denen die Musiker folgen. Diese Zeitpläne werden von einer staatlichen Einrichtung des jeweiligen Stadtviertels vorgegeben. Mit diesen Reglementierungen wird das menschliche Zusammenleben organisiert wobei auf die Nachbarn geachtet wird, auf die Musiker und auf die Touristen. Ich spreche dabei bisher nur über den Teil der Musiker, die eine Lizenz zum Spielen besitzen. Das sind ungefähr hundert Musiker in ganz Barcelona. Was ist mit denen die illegal spielen? Auch hier gibt es eine Reglementierung und Muster. Aufgrund der starken staatlichen Regeln bezüglich der Nutzung öffentlichen Raums gegenüber Musikern, bilden sich zwischen den illegalen Musikern Muster die diese Reglementierung umgehen. Das beinhaltet spielen in kurzen Intervallen und an Orten die nicht durchgehend von Musikern besetzt sind die eine Lizenz besitzen. Außerdem suchen sich diese Musiker Plätze, die nicht oft von Polizisten aufgesucht werden. Das geht aus dem Interview mit Emanuel hervor. Auch unter den Musikern gibt es eine Organisation. So erzählte Emanuel von seinen ersten Erfahrungen als Musiker in Barcelona. Er erzählt, er habe sich an einen Platz setzen wollen außerhalb des vom Staat reglementierten Bereiches der Altstadt und wäre sofort von einem anderen Musiker weggeschickt worden mit den Worten das dies sein Platz sei und er hier immer um diese Uhrzeit spielen würde. Außerdem würden die nächsten Musiker die danach hier spielen bereits warten. Der verärgerte Musiker habe Emanuel auf die umliegenden Cafés aufmerksam gemacht und erst dann habe Emanuel bemerkt, das bereits andere Musiker mit ihren Instrumentenkoffern in den Cafés saßen und auf ihre Zeit warteten. Der Freund von Emanuel erzählte mir, er würde oft von befreundeten Musikern angerufen und gefragt, ob er einen Einsatz zum Beispiel in einer Band übernehmen könnte. Es gibt also auch Muster unter den illegalen Musikern.

Was hat diese Institutionalisierung für Auswirkungen? Es hat Auswirkung auf die Vermittlung von Kunst und führt im Bereich der staatlich reglementierten Szene in Barcelona zu einer Stagnierung.  Es gibt nur 100 prektizierende Musiker die zugelassen sind und mehr als 20 min. an einem Ort spielen. Die Reglementierung lässt keine neuen Musiker rein.Die Lautstärken Limitierung tut ein weiteres und lässt keine experimentelle Kunst zu, selbiges gilt für die Reglung bezüglich der Quantität der Musiker in einer Band.

Die Möglichkeit der Kunst wird damit durch Institutionalisierung limitiert und der Inhalt vorhersehbar. Einerseits ist das von Nöten da in einer Stadt wie Barcelona ohne eine Reglementierung die Straßen voll wären von Musikern. Doch steckt in der öffentlich zugänglichen Kunst eine Möglichkeit der künstlerischen Entwicklung und die Möglichkeit das Konzept der Organisation von Kunst in Museen und die damit verbundene Selektion aufzubrechen. Wie? – das ist eine gute Frage, eine Frage die zu der Frage führt ob die Reglemtierung sich zuerst ändern muss oder die Übermittlung des INhaltes auf der Straße? Zuerst die Form oder der Inhalt?

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